Pinkish Black - Razed To The Ground - Cover
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Pinkish Black Razed To The Ground


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kranke Drone/Doom-Phantasien vermischt mit einem bunten Halluzinogen-Cocktail.

Century Media haben in den vergangenen Jahren nicht nur auf starke, etablierte Bands vertraut, sondern auch das eine oder andere Risiko mit der Akquirierung weniger bekannter Newcomer oder bereits seit mehreren Jahren im Untergrund befindlicher Gruppen auf sich genommen. Natürlich entsprang der Wille nach einem Vertrag mit z.B. Sonne Adam, Triptykon oder Thanatos dem Durst, dem Mäzenentum der Anfangsphase des Labels gerecht zu werden, jedoch bewies das Dortmunder Label nicht immer ein glückliches Händchen und Alben wie „Victim To Villain“, „Bow Down Before The Blood Court“ oder „Gnosis“ sorgten für mehr Stirnrunzeln, denn Lobpreisungen.

Ähnliches könnte nun auch beim zweiten Werk der schicksalsgebeutelten (die Band wurde in Andenken an den Selbstmord ihres früheren Wegbegleiters Tommy Atkins gegründet), texanischen Formation Pinkish Black passieren, denn die Art und Weise wie Daron Beck (Gesang, Synthesizer) und Jon Teague (Schlagzeug) ihre Aufwartung machen, ist alles andere als vielversprechend. Gut, da gibt es bereits eine überschwängliche Kritik zum selbstbetitelten Debüt der berühmt-berüchtigten Hype-Schmiede Pitchfork, die den Sound der Zwei als „fette, kräftige Schläge, mit gummibandartig verzerrten Bässen von einem Keyboard, das zwischen dynamischen, neckischen Synthesizer-Lines und Vocals knurrt, die sich zwischen opernhafter Erhabenheit und kehliger Schändlichkeit bewegen“, während man sich vorschnell nach dem ersten Durchlauf des Nachfolgers die ganze Zeit fragen könnte, wer das, abgesehen von ein paar elitären Kunststudenten auf Crack, eigentlich hören will, doch die rosa gefärbte Dunkelheit hat durchaus einen boshaften Widerhaken und der nennt sich „künstlerische Freiheit“.

Sicherlich gibt es diesen Stempel laut Pressetext in jedem zweiten Album, doch hier nimmt er ganz andere, bedrohliche Formen an. Zuallererst besitzt „Razed To The Ground“ keinen einzigen erkennbaren Refrain oder mit Ausnahme von „Kites and vultures“ wiederkehrende Textpassagen. Ein großer Teil des ¾-stündigen Albums läuft in Zeitlupe oder als krachendes Inferno ab, was auf Dauer eine hypnotische, mantraartige Wirkung hat und das Individuum vor den Lautsprechern in weiterer Folge meist andächtig lauschen lässt. „Jon und ich machen schon seit über zwei Dekaden zusammen Musik. Dieser ganze Prozess, hierher an diesen Punkt in unserem Leben und in unserer Musik zu kommen, war im Prinzip ein einziger Zyklus des Erbauens und Wiedereinreißens, Erbauens und Wiedereinreißens und so weiter und so fort. So ist es ja mit allem im Leben: Aufbauen, zerstören, aufbauen, zerstören...“, erklärt Beck und in ähnlicher Form ergeht es auch den sieben Kompositionen auf „Razed To The Ground“.

Dabei bezieht sich das ständige Auf und Ab nicht direkt auf die Musik, sondern mehr auf den inneren Zwist, den der Hörer mit jeder weiteren Minute erlebt. Ist das jetzt kompletter Blödsinn oder hört man gerade die Antwort auf alle jemals gestellten, musikalischen Fragen? Die Dynamik hinter den einzelnen Tracks macht es einem allerdings auch nicht leichter, zwischen meisterhaft und dünnflüssig zu unterscheiden. Vieles geht nur schleppend vonstatten, doch wenn es einmal wie in „Rise“ flotter zur Sache geht, ist Monotonie angesagt und die propagierte Vergötterung (siehe Pitchfork-Zitat) schlägt schnell in Nervosität und Missgunst um. Es sind aber nicht nur die Gleichförmigkeit und der behäbige Duktus, mit dem Pinkish Black hantieren, sondern eine konsequente Ablehnung etablierter Hörgewohnheiten.

Der Gesang wird nämlich nicht als Kernelement in die Songs eingebunden, da er entweder opernhaft vorgetragen wie ein ruheloser Geist über den Stücken schwebt („She left him red“, „Loss of feeling of loss“), dermaßen stark in den Hintergrund gemischt ist, dass er mehr den Charakter von Hintergrundrauschen besitzt („Razed to the ground“) oder Beck mimt schlicht und ergreifend das gequälte Opfer und ringt verzweifelt nach Worten („Ashtray eyes“, „Bad dreamer“). Die Funktion des Textes und der Intonation wechselt somit von Stück zu Stück und gelegentlich sogar von Minute zu Minute. Was genau ist also dieses zweite Album von Pinkish Black? Offenbarung, Schund oder gar beides? Die Antwort auf diese Frage zu geben, fällt definitiv schwer, vor allem, weil die Platte sowohl den Stempel Meisterwerk als auch fehlgeschlagenes Kunstexperiment vertragen würde und daher empfiehlt es sich besonders bei diesem selbstinszenatorischen Kleinod, die eigenen Lauscher aufzusperren und einem eigen- wie einzigartigen Trip im Drone/Doom-Genre eine Chance zu geben. Bereuen wird man die Erfahrung „Razed To The Ground“ keinesfalls!

Anspieltipps:

  • Bad Dreamer
  • She Left Him Red

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