Vattnet Viskar - Sky Swallower - Cover
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Vattnet Viskar Sky Swallower


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Atmosphärischer Black Metal paart sich mit ausufernden Instrumentalpassagen à la Isis oder Pelican.

Bislang war 2013 nicht unbedingt ein herausragendes Jahr für den Black Metal. Mit „The Underground Resistance“ (03/2013), dem neuen Werk der Genre-Pioniere Darkthrone, hatte man zwar gezeigt, was in Sachen Verschmelzung mit anderen Stilrichtungen noch möglich ist, indem Nocturno Culto und Fenriz ihren Fokus auf die Einbindung von Thrash und einer Prise Punk gesetzt haben, doch ein reinrassiges Beispiel für dunkle Gebilde in schauriger Atmosphäre blieb das Genre den Fans die letzten Monate schuldig. Erst als mit Watains großartigem „All That May Bleed“ vom Album „The Wild Hunt“ (08/2013) der Ritt durch frostige Wälder wieder Saison hatte, frohlockte das aufgeschlossene Klientel über ein facettenreiches, wie gewagtes Kunstwerk rezenten Schwarzmetalls. Mit den erst im Jahr 2010 gegründeten Vattnet Viskar (auf Deutsch: das Wasser flüstert) schicken sich nun Nick Thornbury (Gesang, Gitarre), Chris Alfieri (Gitarre) und Seamus Menihane (Schlagzeug) an, die Welt des Black Metal in seinen Grundfesten zu erschüttern.

Angestachelt durch eine neue Welle an aufstrebenden Bands im Genre wie z.B. Deafheaven, die räudige, bis pfeilschnelle Salven mit herzzerreißender Post-Metal-Melancholie füttern, sehen die drei Amerikaner nun ihre Aufgabe darin diese Fusion auf den nächsten Level der Perfektion zu katapultieren. Der einzige Vorgeschmack lag bislang nur in Form einer selbstbetitelten EP vor, die offensichtlich einen derartig starken Eindruck hinterlassen hat, dass Century Media die Truppe vom Stand weg einen Vertrag unterzeichnen ließ. Heftige Vorschusslorbeeren für eine Band, die erst seit ein paar Jahren ihre Welt dem Black Metal verschrieben hat! Doch das Dortmunder Label sollte Recht behalten, denn qualitativ hat sich das Vertrauen in die junge Truppe bereits mehr als ausgezahlt. „Sky Swallower“ ist nämlich nicht eines dieser Werke, welche sich als Debüt zu viel vorgenommen haben, sondern es beschränkt sich auf die Kernessenz, Black Metal mit ausufernden und sagenhaft majestätischen Post Metal-Momenten zu verzieren, die ihren Ursprung in der anmutigen Welt von Isis und Pelican haben.

So gegensätzlich und verkehrt diese Melange anfangs klingen mag, so grandios funktioniert diese Symbiose letztendlich und wer sich den kompakt gehaltenen 38 Minuten des Vattnet-Viskars-Debüts hingibt, wird bald feststellen, dass eine Flucht aus dem fulminant dargebrachten Soundgerüst des Dreiers kaum möglich ist. Das eröffnende „New alchemy“ packt überdies sofort ab Sekunde eins zu und lockert seinen festen Griff auf der norwegischen Black Metal-Raubsau erst ab der Hälfte, wo die kalte und unwirtliche Landschaft mit wärmenden Post Metal-Hoffnungsschimmern durchzogen wird, bis der anschließende „Fog of apathy“ seinen enorm stimmungsvollen Schleier über die eisigen Felder legt und mit kleinen, zaghaften Farbtupfern ganze Gemälde vor das innere Auge projizieren lässt. Als Hommage an das Pelican-Meisterwerk „The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw“ (05/2005) kann der einminütige rote Teppich „Monarch“ angesehen werden, der ausschließlich für das grandiose „Breath of the almighty“ ausgerollt wurde, welches die Seele dieses Post Metal-Juwels atmet und seinen sphärischen Zauber erst nach einer Kollision mit einer soliden, schwarzmetallischen Mauer abgibt, nur um kurze Zeit später das Zepter wieder in eindringlicher Art und Weise zurückzuverlangen.

Damit das anfänglich ungestüme „Mythos“ nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt, stellen Vattnet Viskar das schüchterne „Ascend“ als Vorhut, die Wirkung des intensiven Finales von „Mythos“ wird dadurch zusätzlich verstärkt und der Hörer starrt eigentlich nur mehr wie gebannt auf seine Lautsprecher und erstarrt ehrfürchtig vor den Klängen, die aus den Lautsprechern perlen. Auf Nummer sicher geht das aus Plaistow, New Hampshire, stammende Trio dann mit dem erneut reduzierten Intermezzo „As i stared into the sky“, welches den Auftakt zur abschließenden Komposition „Apex“ bildet, die zu Beginn zwar eine dichte Soundwand vor sich herschiebt, drei Minuten vor Schluss aber jegliche Instrumente beiseitelegt und nur mehr eine einzelne Gitarrenseite anschlägt. Das mag auf dem Papier etwas billig und uninspiriert wirken, doch seltsamerweise passt dieser monotone Ablauf nach dem emotionalen Orkan der vorangegangenen Stücke auf „Sky Swallower“ wie die Faust aufs Auge und lässt das Gehörte in einem angemessenen Rahmen verarbeiten. Sicherlich mag einiges auf dem Longplayer-Debüt der drei Amerikaner bekannt klingen und die Black-Metal-Passagen sind nicht gerade innovativ, doch die Mischung mit der Thornbury, Alfieri und Menihane vorgehen, sucht schlicht und ergreifend seinesgleichen, oder um es mit ihren eigenen Worten auszudrücken: „My mind is slowly being crushed by a thousand invisible waves“

Anspieltipps:

  • Mythos
  • Fog Of Apathy
  • Breath Of The Almighty

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