Glass Animals - Glass Animals EP - Cover
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Glass Animals Glass Animals EP


  • Label: Fontana/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 15 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine weiterhin vielversprechende Band, die stellenweise noch an sich arbeiten muss.

Die Glass Animals erregten erstmals Mitte 2012 mit ihrer „Leaflings EP“ Aufmerksamkeit. Hier traf maschinell präzise Produktion auf gefühlvolle Vocals. Dahinter steckt David Bayley, seines Zeichens Songwriter und Produzent. Dieser zieht viel Inspiration aus seinem Studium der Neurowissenschaften. Am offensichtlichsten wird das im Artwork, das der 23-Jährige selbst kreiert hat und das aussieht wie psychedelische Kunst mit stilisierten Nervenbahnen und Zellflüssigkeit. Doch auch florale Motive lassen sich ausmachen und auf Bayleys altes Studio in den Wäldern Oxfordshires zurückführen.

Beide Einflüsse lassen sich auch im Sound der Band ausmachen, deren restliche drei Mitglieder sich im Hintergrund sehr wohl fühlen. Sowohl auf „Leaflings“ als auch jetzt auf der „Glass Animals EP“ blubbert und plätschert es nicht nur im Hintergrund vieler Tracks. Die Feinheiten der Produktion dominieren auch gerne mal den kompletten Sound eines Stücks. Dieser besteht im Groben aus TripHop-inspirierter Percussion, psychedelischen Gitarren und sphärischem Elektrogefrickel, wirklich in eine Schublade stecken lässt sich das Quartett jedoch nicht.

Dafür sorgt die Band mit der Vorliebe für Nacktschnecken auch auf der neuen EP. Eröffnet wird mit Beat aus dem Standtom, psychedelische Gitarren gesellen sich mit brodelnden Synthies dazu. Darüber Bayleys typischer, hoher Gesang. Das ganze klingt wie psychedelischer Pop mit Dub-Einflüssen. „Black Mambo“ wirft das alles allerdings wieder über Bord und besticht mit schleppendem Beat, schrammelnder Gitarre und den klimpernden Tönen, die so typisch für Glass Animals sind. Es vermischt sich die Lust an langsamem Tanz mit der Sehnsucht, die man bei frischer Verliebtheit verspürt.

„Exxus“ schaltet mit düsterer Bassline und vereinzeltem Klackern noch einen Gang runter. Bayleys Stimme wirkt zunächst komplett fehl am Platz, doch langsam verdichtet sich der Sound. Weit entfernte sphärische Synthies gesellen sich zu dem minimalistischen Arrangement, Schnippsen, ein hallendes Standtom. Dazu eine betörend gurrende Synthiespur nach dem Refrain. Die zwei Tracks, die zuvor schon als Single-Release zusammen veröffentlicht wurden, sind auch die stärksten Stücke der EP. Abgeschlossen wird diese mit einem TripHop-Stück, das Glass Animals' allererstes Feature auf einem Track aufweist. Weibliche Soul-Vocals von Jean Deaux mit Jazz-Elementen sorgen für eine gelungene Endatmosphäre.

An den vier Songs ist grundsätzlich nicht viel auszusetzen. Im Vergleich zur bereits sehr guten „Leaflings EP“ ist durchaus eine positive Entwicklung zu beobachten. Die Songs wirken ausgereifter, die gewünschte Mischung aus organischer und elektronischer Instrumentierung scheint auf den Punkt gebracht. Doch die Melodien sind teilweise noch zu vorsichtig und lehnen sich so stark an denen der Vorgänger-EP an, dass man meint, sie wären direkt von dort übernommen worden. Eine große Schuld daran tragen auch der Klimper-Synthie und der Schnipps-Sound, die auf „Leaflings“ allgegenwärtig waren und auch auf dieser EP wieder zu vernehmen sind. Diese Soundelemente, die jetzt schon als charakteristisch bezeichnet werden müssen, sind schon hart an der Grenze, überreizt zu werden.

Anspieltipps:

  • Black Mambo
  • Exxus

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