Betzefer - The Devil Went Down To The Holy Land - Cover
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Betzefer The Devil Went Down To The Holy Land


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der längst überfällige Neubeginn nach einer schwächelnden Schaffensphase.

Die Welt des Metals ist doch eine wunderbare, nicht wahr? Wo sonst bitteschön kriegen Interpreten und Bands aus vermeintlich exotischen Ländern regelmäßig ihre Plattform geboten? Bevor jetzt die Köpfe rauchen: so gut wie nirgends! Deshalb erfreut sich der Matten- und Kuttenträger darüber, auf musikalischer Ebene ein echter Globetrotter zu sein. Betzefer kommen zum Beispiel aus Israel und gehören zu den Vertretern, die sich langsam aber sicher aus dem lokalen Underground heraus boxen konnten. Dies allein sollte schon ein Grund sein, Avital Tamit (Gesang), Matan Cohen (Gitarre), Rotem Inbar (Bass) und Roey Berman (Schlagzeug) zu unterstützen. Nüchtern betrachtet haben Betzefer in ihrer bisherigen Laufbahn aber auch nichts anders oder gar besser als westliche Genrevertreter gemacht. Nein, ihr letzter Longplayer war sogar recht durchwachsen und zehrt lediglich vom Exoten-Bonus - wenn überhaupt!

Bemerkenswert ist da doch der Kommentar von Frontmann Tamir, der verlautet, dass es sich zum ersten Mal um „richtige Songs“ handeln würde. Die Fehler der Vergangenheit sieht er ebenfalls kritisch: „Auf der Suche nach einer eigenen Identität probierten wir Dinge, die ich aus heutiger Sicht als verfehlt betrachte.“ Im Gegensatz zu „Freedom To The Slave Makers“ (2011), wirkt „The Devil Went Down To The Holy Land“ tatsächlich sehr viel homogener, durchdachter und straighter. Das ist auch unbedingt nötig, schließlich handelt es sich um das dritte Studiowerk der Buben aus Tel-Aviv, welches keinesfalls verpatzt werden sollte. Betzefer verschaffen sich glücklicherweise den Überblick und vertrauen mehr ihren eigenen Fähigkeiten als darauf, munter Genre-Helden zu kopieren. Deshalb ist „The Devil Went Down To The Holy Land“ angenehm fokussiert, aufs Wesentliche reduziert und durchdachter. Mehr als je zuvor vermeidet es die Band, zu sehr in Core-Gefilden zu wildern und thrasht sich stattdessen mit modernem Groove Metal in die Nackenwirbel ihres Publikums. Da gibt es wutentbrannte Zerstörungsorgien wie im rhythmischen „Cannibal“, „I Hate“, „Copkiller“ oder „Cash“ sowie groovenden Schweinerock mit fetten Soli und dezentem Alternative-Einschlag („The Medic“, „Milk“, „Suicide Hotline Part II“).

Ruppige Thrasher wie „Killing The Fuss“ finden genauso ihren Platz wie die Riffmonster „Suicide Hotline Part I“ und „Yuppie Six Feet Underground“. Von Experimenten aus Notwendigkeit oder zwanghaftem Unterbringen von Ideen, die einfach nicht passen, sehen die Musiker aus dem heiligen Land ab. Der Weg ist das Ziel. Gut so! „The Devil Went Down To The Holy Land“ ist somit das Album geworden, welches man von Betzefer so lange Zeit vermisst hat. Es entschädigt für einen halbgaren Schnellschuss wie „Freedom To The Slave Makers“ und ist in jeglicher Hinsicht ein großer Schritt nach vorne. Wenn Avital, Matan, Rotem und Roey erst einmal loslegen, dann hält sie dieses Mal so schnell nichts auf. Und genau das macht „The Devil Went Down To The Holy Land“ zum vielleicht wichtigsten Album der Gruppe. Hier präsentiert sie sich nicht nur in voller Stärke und einer letztendlich gewonnenen Selbstsicherheit. Auch als Neubeginn kann der dritte Longplayer gewertet werden. Auf diesem sollte das Quartett unbedingt aufbauen.

Anspieltipps:

  • The Devil Went Down To The Holy Land
  • Cash
  • The Medic
  • Suicide Hotline Part I
  • Suicide Hotline Part II

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