Glittertind - Djevelsvart - Cover
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Glittertind Djevelsvart


  • Label: Indie Recordings
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Außergewöhnliche Klangwelten aus dem norwegischen Hochland: der Weg will Folk Metal sein, das Ziel aber ist Weltmusik.

Torbjørn Sandvik ist der Chefdenker und Glittertind sein Baby. Nach etlichen Demos erschien im Jahre 2009 das Debüt „Landkjenning“ und wer erwartet, dass Sandviks Konzept, norwegische Folklore frisch und unverbraucht zu interpretieren, nicht mehr zieht, wird nun eines besseren belehrt. Tatsächlich funktioniert auch „Djevelsvart“ in dieser Hinsicht hervorragend und geht einen Schritt weiter. Glittertind, übrigens der Name des zweithöchsten Berges in Norwegen, sind erstmals eine vollwertige Band und kein Projekt mehr. Deren „Djevelsvart“ ist schließlich etwas, das man gut und gerne als Spätwerk bezeichnen kann - selbst dann, wenn man bedenkt, dass Glittertind 2001 gegründet wurden und so alt nun auch wieder nicht sind. Und wenn man sich vor Augen hält, dass „Djevelsvart“ tatsächlich erst der zweite Longplayer ist.

Dennoch wirkt das Album im Vergleich zu seinem Vorgänger reifer, sicherer und erschafft die Illusion, als sei es das Ende einer langen Reise. Von der Zielgruppe der Folk- und Viking-Metaler wendet man sich nun definitiv ab und doch werden Liebhaber dieser Subgenres erhebliche Freude haben, wenn sie die „neuen“ Glittertind hören. Tatsächlich sind die Norweger näher an den zaghaften experimentellen Ausschweifungen von Kaizers Orchestra (gut zu hören im Titeltrack) als an Raubzügen und Schwertkämpfen. Unbeschwert und leichtherzig tänzeln sich Glittertind mit süßlichem Folk in die Lauscher ihrer Zuhörerschaft, zumindest so lange, bis sie ihr Gebilde genüsslich einreißen und wutentbrannten Rock („Sundriven“, „Sprekk For Sol“) als Kontrast einsetzen. Das Spektrum reicht von kauzigem Bombast-Retro-Rocker der Marke Cryptex („Trollbunden“) bis hin zu Ausflügen in den Garage Rock in einem Song wie „Tåketanker“. Growls werden sparsam und pointiert eingesetzt, sodass auch Folkfreunde nicht abgeschreckt werden, die aus einer anderen Ecke des Genres kommen. Ebenso verhält es sich mit Rock-Elementen. Ein Folk-Rocker ist dieses Album nur am Rande.

Das größte Ass im Ärmel von Glittertind ist deren balladeske Seite, die von der Band höchst stilsicher präsentiert wird und welche im Großen und Ganzen das Klangbild von „Djevelsvart“ bestimmt. „Kvilelaus” ist besonders zu Anfang komplett auf den Gesang reduziert und das, was man wohl einen echten Gänsehautsong nennt. „Stjerneslør“ und „Nymåne“ dagegen gehen den komplett umgekehrten Weg und kommen als akustische Wikinger daher, die man in einer solchen Form von der finnischen Kombo Tenhi kennt. Ein unheilvoller, schauriger und enorm in sich gekehrter Aufbau erinnert dagegen an Neo-Folk von Künstlern wie Matt Howden. Das knarzende Cello trägt seinen Teil bei, das Piano erlöst dann letztendlich. Und dieses ist generell recht dominant auf „Djevelsvart“. Das Outro „Utgang“ wird alleine von diesem getragen. Für eine Band, die von allen Seiten dem Viking Metal zugeordnet werden will oder zumindest versucht, diese Szene als Hörer zu gewinnen, ist das ungewöhnlich, angenehm anders und stellenweise so ruhig, intim und kontemplativ, dass der Terminus Metal zu einer regelrechten Randerscheinung wird.

Das Album und die ganze Musik sind tief in der norwegischen Kultur verwurzelt, was streng genommen eigentlich nichts neues ist - schließlich nutzen etliche Bands gerade dieses Konzept. Was Glittertind allerdings auszeichnet ist die Tatsache, dass sie die Idee äußerst authentisch und doch eigen umsetzen. Und gerade das wird „Develsvart“ zu einem Werk machen, welches wie kaum ein zweites die Hörer von Metal, Pagan, Folk und Weltmusik abholen wird. Und Glittertind gehen dafür nicht mal große Kompromisse ein. Wer einen zum Sterben schönen, mal beruhigenden, mal lauten Klangkosmos sucht, der bisher noch unverbraucht ist, findet in Glittertind einen Underdog, der definitiv einen breiten Hörerkreis verdient hat.

Anspieltipps:

  • Djevelsvart
  • Kvilelaus
  • Trollbunden
  • Nymåne
  • Stjerneslør

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