Axel Rudi Pell - Into The Storm - Cover
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Axel Rudi Pell Into The Storm


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

25 Jahre Bandgeschichte, 15 Studioalben und nichts hat sich getan. Zum Glück!

Die Besprechung einer neuen Platte Axel Rudi Pells ist die leichteste und gleichzeitig schwerste Aufgabe überhaupt. Zum einen müssen sich Gitarrero Pell und seine Mannen nach einem Vierteljahrhundert nicht mehr mit anderen Acts des Hardrocks oder Power Metals aus deutschen Landen messen lassen und spielen souverän in ihrer eigenen Liga. Zum anderen passiert aber in eben dieser Liga auch nicht mehr wirklich viel. Und genau davon zeugt das nunmehr 15. Studioalbum „Into The Storm“. Auf dem Cover bahnt sich ein Piratenschiff (ein momentan voll angesagtes Dingen, hey ho!) durch eine stürmische und von Seeschlangen verseuchte See. In Wirklichkeit schippert die MS Pell aber durch einen ruhigen Fischweiher. Liebgewonnene und bewährte Trademarks werden mal eben wie eine fette Forelle aus dem Wasser gezogen. Käpt'n Pell und seine Crew werden schon wissen, was den Fans schmeckt und was ihnen vorgesetzt werden kann. Das können sie, darin sind sie gut. Und Axel Rudi Pell werden erneut Fanservice betreiben und ein Gros ihrer Anhänger glücklich machen.

Das liest sich teilweise negativer als es wirklich ist. „Into The Storm“ kommt zwar nicht mit dem Knall, den man sich von einem Jubiläumsalbum erwartet, und bringt alles andere als frischen Wind, macht dann am Ende jedoch alles richtig. Denn viel falsch machen können die Urgesteine um den Bochumer Axtmann auch nicht. Direkt am Anfang pustet uns der Heavy Rocker „Tower Of Lies“ fröhlich die Gehörgänge sauber, „Burning Chains“, „Changing Times“ und das Maiden´sche „High Above“ folgen dem Muster und gehen als gut gelaunte, schmissige Up-Tempo-Nummern voll klar. Die obligatorische Ballade folgt in Form von „When Truth Hurts“ und beweist erneut das enorme Fingerspitzengefühl der Band, zum Sterben schöne Powerballaden zu schreiben. Auf der sicherlich noch kommenden nächsten Balladensammlung wird dieser Song nochmal im speziellen ein echtes Highlight. Beinahe noch besser ist das schlichtweg großartig ausgefallene „Hey Hey My My“, im Original von Neil Young, das flugs einen dezenten hardrockigen Anstrich bekommen hat und trotz der Tatsache, dass es sich um ein Cover handelt, den „Into The Storm“-Ring als großer, lachender Sieger verlässt.

Der Titeltrack und Rausschmeißer hingegen zeigt die Band von ihrer bombastischen Seite. Der ausufernde Longtrack setzt auf ein von einer Sitar getragenes, orientalisches Thema. Scheint ebenfalls gerade in zu sein, wenn man mal an die Newcomer Mooncry denkt, welche mit ihrem letzten Studioalbum „A Mirror's Diary“ (2013) auf die gleiche Karte setzten. Leider passiert ansonsten herzlich wenig und so zieht die titelgebende Nummer im Vergleich zu anderen Pell-Epen wie zum Beispiel „Time Of The Truth“ („Shadow Zone“, 2002), „Dark Waves Of The Sea (Oceans Of Time Part II: The Dark Side)“ („The Crest“, 2010) oder „World Of Confusion (The Masquerade Ball Part II)“ („Circle Of The Oath“, 2012) leider den Kürzeren. Sofern man einen Longtrack nicht zu einem solchen aus absoluter Notwendigkeit machen will, darf das einfach nicht der Fall sein. Axel Rudi und seine Kollegen hätten gut daran getan, einfach das überzeugende und mit sieben Minuten ohnehin relativ lange „Touching Heaven“ weiter auszubauen. Hier sind jedenfalls alle Zutaten gegeben. Und es wäre sogar mehr möglich gewesen.

Dennoch sollten sich die Anhänger Axel Rudi Pells dieses Werk nicht entgehen lassen. Die Band weiß einfach, worin sie am besten ist und setzt souverän auf ihre Stärken. Bandkopf Axel Rudi ist nicht umsonst eine Koryphäe, Frontmann Johnny Gioeli zeigt erneut sein großes gesangliches Talent und der bereits von Größen wie Rainbow, Black Sabbath und Blue Öyster Cult bekannte Drum-Neuzugang Bobby Rondinelli entpuppt sich als echter Glücksgriff, welcher der Pell-Family hoffentlich lange erhalten bleibt. Alles im Lot also. Und wer Axel Rudi Pell bislang mochte, wird nach „Into The Storm“ seine Meinung wohl kaum ändern.

Anspieltipps:

  • Tower Of Lies
  • Burning Chains
  • When Truth Hurts
  • Touching Heaven
  • Hey Hey My My

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