Bruce Springsteen - High Hopes - Cover
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Bruce Springsteen High Hopes


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„The highway is alive tonight. But nobody's kiddin' nobody about where it goes. I'm sittin' down here in the campfire light. Searchin' for the ghost of Tom Joad.“

Das Musikjahr 2014 ist noch keine zwei Wochen alt, da steht bereits eines seiner mutmaßlichen Highlights ins Haus: Das 18. Studioalbum von Bruce Springsteen (64). Das ist überraschend, denn wer sich auskennt weiß, dass so ein früher Termin für einen Top-Act absolut ungewöhnlich ist. In der Regel lassen die großen Plattenfirmen ihre kommerziellen Zugpferde nämlich frühestens ab März von der Koppel. Doch beim Boss ticken die Uhren nicht nur anders, sondern auch schneller als bei vielen anderen Megastars. Mehr als 2½ Jahre lässt das amerikanische Rock-Idol zwischen zwei Alben jedenfalls kaum vergehen.

„High Hopes“ ist allerdings auch anders, als „normale“ Studioalben vom Boss. Denn darauf versammelt Springsteen nicht nur neue Songs, sondern auch Coverversionen, ältere Eigenkompositionen, die es bisher nicht auf eine Platte schafften, sowie bereits bekannte Stücke, die neu arrangiert wurden. Ferner stieß quasi als Muse der Gitarrist Tom Morello (The Nightwatchman, Audioslave, Rage Against The Machine) zur Band von Bruce Springsteen dazu, nachdem dieser bereits als Live-Ersatz für Steve Van Zand auf der 2013er Australien-Tour dabei war und Springsteen mit seinem Spiel scheinbar den entscheidenden Kick gab, um mit seiner 16-köpfigen Tour-Band den Nachfolger von „Wrecking Ball“ (03/2012) anzugehen.

Die Aufnahmen zu „High Hopes“ fanden unter der Aufsicht von Brendan O´Brien und Ron Aniello in New Jersey, Los Angeles, Atlanta, New York City sowie im australischen Sydney statt und griffen dabei u.a. auf bereits eingespielte Parts der verstorbenen E-Street-Band-Mitglieder Danny Federici (2008) und Clarence Clemons (2011) zurück. Neben der Songauswahl bekommt „High Hopes“ dadurch noch mehr den Charakter eines zusammengebastelten Albums, doch Springsteen ist Profi genug, um Überbleibsel, die scheinbar aus den 80er Jahren stammen („Harry´s place“, „Down in the hole“), mit Neuauflagen aus den Neunzigern („The ghost of Tom Joad“) und dem vergangenen Jahrzehnt („American skin“) so zu vermischen, dass es trotzdem homogen klingt. Dazu kommen Coverversionen von Gothic-Blueser Tim Scott „Ledfoot” McConnell („High hopes“) und den Punkbands The Saints („Just like fire would“) und Suicide („Dream baby dream”), die ebenfalls nicht als vorhersehbar gelten können.

Das interessanteste Detail auf „High Hopes“ dürfte allerdings sein, wie sich das als extrem ausdrucksvoll bekannte Gitarrenspiel von Tom Morello (49) in den klassischen Springsteen-Sound zwischen Rock, Folk, Pop, Gospel und Singer/Songwriter-Anleihen eingliedern wird. Denn niemand wird wohl ernsthaft die komplett angefahrenen Riffs und Soli aus Morellos Zeit bei Audioslave und Rage Against The Machine auf einer Springsteen-Platte hören wollen. Und in der Tat hält sich Tom Morello sehr zurück und ordnet sich der Sache unter, ein Springsteen-Album wie ein Springsteen-Album klingen zu lassen. Lediglich in der kraftvollen Neuaufnahme von „The ghost of Tom Joad“ darf der Gitarrist mal etwas tiefer in seinen Riff-Köcher greifen und ein paar messerscharfe Soli und zusätzliche Vocals einstreuen.

„High Hopes“ mag auf den ersten Blick vielleicht nicht so viele „Hits“ haben, wie es sich der eine oder andere Hörer erhofft hat, dennoch sollte der etwaige Vorwurf einer schnöden Resteverwertung ausgeblendet werden. Denn es muss nicht lange gesucht werden, um neben einigen etwas unauffälligeren Tracks echte Höhepunkte zu finden. So entwickelt sich der 18. Studio-Longplayer aus dem Hause Springsteen langsam aber sicher zu einem Werk mit einem sehr eigenen Charme, bei dem man mit Sicherheit über viele, kleine Details erfreut sein wird. Da wären zum Beispiel die knackigen Piano- und Bläserparts im Titeltrack, die typisch elegante Melodieführung in „American skin (41 shots)“, das tolle Trompetensolo in „Just like fire would“, die „I’m on fire“-Anleihen in „Down in the hole“, der Gospel-Gesang in „Heaven’s wall“ oder der stampfende Folk-Rock in „This is you sword“.

Den neben „The ghost of Tom Joad“ besten Song hält der Boss allerdings bis kurz vor Schluss zurück, wenn er mit „The Wall“ eine minimalistische Ballade anstimmt, die auf einer Idee von Springsteens altem Kumpel Joe Grushecky basiert. Der Track bohrt sich mit beeindruckender Intensität ins Gehör und lässt den Hörer mit den majestätischen Trompetenklängen von Curt Ramm wie auf Wolken schweben – und mit der Gewissheit zurück, ein gutes bis sehr gutes neues Album vom Boss gehört zu haben.

Anspieltipps:

  • The wall
  • Heaven’s wall
  • This is your sword
  • Dream baby dream
  • The ghost of Tom Joad
  • American skin (41 shots)

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