Michy Reincke - Hatte Ich Dich Nicht Gebeten Im Auto Zu Warten - Cover
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Michy Reincke Hatte Ich Dich Nicht Gebeten Im Auto Zu Warten


  • Label: Rintintin/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein rundum gelungenes Werk zwischen Liedermacherkunst und deutschsprachiger Popmusik.

Der Hamburger Liedermacher, Texter, Sänger, Produzent, Konzertveranstalter und Label-Betreiber Michael „Michy“ Reincke (54) zählt seit nunmehr 30 Jahren (1984 gründete er seine erste professionelle Band Felix De Luxe) zu den beständigsten und sympathischsten Musikern der deutschsprachigen Popszene. Mit seinem Rintintin-Label verhalf er unter anderem Regy Clasen, Katharina Vogel, Anna Depenbusch und Der Fall Böse zum Karrierebeginn, während er selbst seit 1991 acht Studioalben auf den Markt gebracht hat, die in der Hitparade freilich nicht immer eine große Rolle gespielt haben, mit ihrer handgemachten, ehrlichen Art jedoch zum Aufbau einer nicht zu verachtenden Fan-Base verhalfen.

Unter dem herrlichen Titel „Hatte ich dich nicht gebeten im Auto zu warten“ bringt der 54-Jährige sein nunmehr neuntes Werk heraus, das mit einem Dutzend ausgereiften, erwachsenen Popsongs („Gib alles oder vergiss es“) und Reinckes besonderem Talent für gefühlvolle Balladen („Deine Augen genügen“) aufwartet. Obwohl die Musik dabei zu jeder Zeit eingängig und im positiven Sinn unkompliziert klingt, ist sie nicht als Hitparaden- und Radiofutter konzipiert. Das liegt aber nicht an der Art der Lieder, sondern daran, wie heutzutage schrecklich konformistische Playlists für das Format-Radioprogramm erstellt werden. Da ist dann tatsächlich kein Platz für melodietrunkene Edelsteine wie „Ich will die Sache nicht unnötig in die Länge ziehen“ oder auch „Sie begegnete mir auf die gleiche Art wie der Blitz in einen Baum einschlägt“.

Deshalb ist es auch müßig zu erwähnen, dass die Songs von Michy Reincke überwiegend organisch klingende Stücke sind, bei denen nur wenig am Computer programmiert oder am Synthesizer gebastelt werden muss. Dafür dominieren Instrumente wie Gitarren, Bläser, Streicher, Piano, Orgel und eine klassische Rhythmussektion mit Schlagzeug, Perkussion und Bass. Daraus resultieren Reinckes typisch unbeschwerte Melodien, die seine kleinen Geschichten in federleichte Arrangements kleiden, mit denen Reincke und seine Band das Ohr des Hörers umschmeicheln. Lediglich einmal wird es dabei etwas merkwürdig, wenn genau einen Monat nach Weihnachten ein Titel wie „Jetzt geht’s andersrum“ entfernt nach Chris Reas „Driving home for christmas“ klingt.

Aber sei’s drum. So ein liebenswürdiger Ausrutscher kann ja mal passieren und auch nichts an der Einschätzung von „Hatte ich dich nicht gebeten im Auto zu warten“ als ein rundum gelungenes Werk ändern.

Anspieltipps:

  • Malie, komm tanzen
  • Mein schwarzes Herz
  • Deine Augen genügen
  • Ich will die Sache nicht unnötig in die Länge ziehen

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