SubRosa - More Constant Than The Gods - Cover
Große Ansicht

SubRosa More Constant Than The Gods


  • Label: Profound Lore/CARGO
Artikel teilen:
9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Beständige Faszination, Atmosphäre und Einzigartigkeit.

SubRosa tragen ihre Heimat, Salt Lake City, Bundesstaat Utah, zu Grabe. Das ultrakonservative und christliche Nest bekommt durch die Klänge der Musiker Rebecca Vernon (Gesang, Gitarre), Sarah Pendleton und Kim Pack (beide Violine und Gesang) sowie den zwei Herren Christian Creek (Bass) und Andy Patterson (Schlagzeug), die ungeschönte Wahrheit ins Gesicht gerotzt: „There's no shelter for me in the halls of the righteous“. Eine anti-religiöse Band im eigentlichen Sinne sind SubRosa aber auch nicht, immerhin wagen sie nicht nur ein Mal den Blick hinter die scheinheilige Fassade. Eine sozialkritische ist diese jedoch schon. Mormonen und andere Hardliner zucken da die Schultern, SubRosas Mission, den blitzblanken Saubermannstaat in einem musikalischen Limbus Flammen den Körper hinauf züngeln zu lassen, können sie so oder so nicht aufhalten und wahrscheinlich wird es sie auch nicht sonderlich tangieren. Alleine der Freund von innovativer und inspirierter Musik, geht am Ende als lachender Sieger hervor. Denn was SubRosa auf ihrem vierten Longplayer „More Constant Than The Gods“ abziehen, ist ganz großes Kino, geizt nicht mit Höhepunkten, unverbrauchten Ideen und ist trotz der durchweg gebotenen Komplexität und Länge kurzweilig und greifbar. Kurzum: eine Ausnahmeerscheinung!

Die Tatsache, dass die Band mit Sarah Pendleton und Kim Pack gleich zwei Violinistinnen am Start hat, soll sich als großer Vorteil herausstellen. Mal entstehen durch sie folkige Nuancen, dann wiederum übernehmen die elektrischen Violinen den Part der Leadgitarre, was dem Funeral Doom Metal SubRosas einen ganz speziellen und individuellen Sog verschafft. Die Streicher treten so aus dem Hintergrund heraus und bekommen eine Funktion, die fernab der Makulatur von reinem Folk Metal ist. Das ist schließlich das fehlende Puzzleteil, welches die Band benötigt, um aus dem Schatten der großen Post-Metal-Helden wie Isis, Neurosis oder The Ocean zu treten. SubRosa entdecken ein für alle Mal ihren eigenen Sound.

Die Kompositionen auf „More Constant Than The Gods“ sind außerordentlich abwechslungsreich und bieten eine nur selten erlebte Immersion. Der Opener „The Usher“ soll stellvertretend für das hohe musikalische Niveau SubRosas stehen: Ein Toolscher Spannungsbogen gestaltet die üppige Spieldauer von 14 Minuten als musikalische Tour de force. Ein ruhiges Intro mündet im dumpfen, verzerrten Doom mit einer gewaltigen Wall of Sound. Die Violinen bringen die Hypnose, am Ende explodiert der Song regelrecht im Bombast aus tonnenschweren Riffs und einem Drift aus Streichern. Das düstere „Ghosts Of A Dead Empire“ dagegen begräbt unter seinen bleischweren Riffs und ohrenbetäubendem Fortissimo, bis schließlich das zähe doch majestätische Funeral-Doom-Finale dem Hörer ein Versöhnungsangebot macht. „Fat Of The Ram“ zermalmt dagegen von Anfang an - auch wenn die Violinen am Ende den melodischen Part wie die Ruhe vor dem Sturm erscheinen lassen, bleibt SubRosas Blick auf ihre Heimat Salt Lake City eine intensive musikalische Apokalypse. Stringent schaukelt die Band ihre Wut zum Finale hoch und raubt den Atem.

Ganz anders hingegen „Cosey Mo“: Der kürzeste Song auf „More Constant Than The Gods“ ist Stoner Rock mit einer leicht psychedelischen Note, auf der einen Seite extrem heavy, dann äußerst zerbrechlich. Die Punchlines gegen Ende lassen „Cosey Mo“ zum waschechten Ohrwurm mutieren. Der äußerst extreme Kontrast ist das gespenstische, unwirklich erscheinende „Affliction“. SubRosa beschwören einen diskordanten Alptraum, welcher mit seinen verstimmten Violinen auf der einen Seite den Hörer in ein immer tiefer werdendes Loch zieht und mit beinhartem Riffing auf der anderen Seite schließlich erschlägt. Die Noise-Passage ist eine klare Zäsur, danach folgt das Hypnotisieren, die Vernebelung, die Zerstörung - einmalig und noch nie in dieser Form gehört! Ein Kontrast der anderen Art schließlich ist das folgende „No Safe Harbor“, welches abermals einen komplett anderen Weg geht. Der Song entpuppt sich als metallische Adaption des Neo-Folks - in sich gekehrte Violinen, das Piano und ein träumerisch gestalteter Einsatz von Flöten lassen die Band shoegazen und hier den einzigen Hoffnungsschimmer des Albums aufblitzen. Gegen Ende wird Doom-Härte angedeutet, bis der Folk schließlich sanft wiegend aus der Komposition entlässt.

Der Beweis: Manchmal ist es sinnvoller, Dinge nicht direkt auszusprechen. SubRosa sind immer dann reduziert, wenn sie es sein müssen und umgekehrt. Das weiß auch Frontfrau Rebecca Vernon. Sie ist nicht die typische Metal-Sängerin. Sie ist wahrscheinlich nicht mal eine gute. Und dennoch klingt sie einzigartig und besitzt eine Stimme mit Wiedererkennungswert, welche sie nach Belieben zaghaft oder zerstörerisch gestaltet. Das gibt ihrem Organ tatsächlich die Funktion eines zusätzlichen Instruments, welches mit denen der anderen Bandmitglieder harmoniert. An dieser Stelle seien auch die guten Lyrics erwähnt, die es sich nebenbei zu lesen lohnt. Auf „More Constant Than The Gods“ trägt jedes noch so kleine Element zu einer einzigartigen Atmosphäre bei. Dies ist eines dieser Alben, die auch noch in Jahren nicht die Beachtung bekommen werden, welche sie verdient haben, welches sich aber unter Kennern als ein kleiner und später Meilenstein des Post Metals manifestieren wird. Aber Meilenstein hin oder her: Als ein in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk fasziniert „More Constant Than The Gods“ immer wieder. Denn vielleicht ist in den Hallen der Rechtschaffenden kein Platz für SubRosa - in den Gehörgängen der Musikliebhaber werden sie lange verweilen.

Anspieltipps:

  • The Usher
  • Ghosts Of A Dead Empire
  • Cosey Mo
  • Fat Of The Ram
  • Affliction
  • No Safe Harbor

Neue Kritiken im Genre „Post Metal“
Diskutiere über „SubRosa“
comments powered by Disqus