Kurt Vile - Wakin On A Pretty Daze - Cover
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Kurt Vile Wakin On A Pretty Daze


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 69 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Kurt Vile rettet die Welt. Und den Rock'n'Roll. Mit dem lässigsten Album des Jahres.

Wer seine ersten Soloalben „Constant Hitmaker“ und „Childish Prodigy“ nennt, dem fehlt es nicht an Chuzpe. Ein aufgeblasenes Rock- oder Rap-Ego trägt Kurt Vile aber mitnichten vor sich her, im Gegenteil. Mit seinem fünften Soloalbum „Wakin On A Pretty Daze“ gelingt dem chillaxten jungen Mann mit den schönen langen Loden und den kleinen Worten der ganz große Lässigkeits-Wurf.

Irgendwo zwischen Bob Dylan und Bruce Springsteen hat es sich das ehemalige Gründungsmitglied der War On Drugs gemütlich gemacht und mit mantraartigen, entschleunigten Rockmelodie-Roadtrips die legere Coolness seiner alten Band längst überflügelt.

Schon mit seinem letzten Album „Smoke Ring For My Halo“ deutete sich an, welches ungeahnte Potential in Viles so unspektakulär erscheinenden Songs über nichts Konkretes steckt. Nun jedoch verliert man sich völlig in den endlosen Kleinoden mit herrlich unprätentiösen aber komplexen Gitarrensoli und einem evozierten Lebensgefühl, das, erstens, alles nicht so wichtig, und vor allem, zweitens, alles nicht so schlimm ist, in unser aller Leben.

Extrem nuscheliges und lang gezogenes „Alright, what now?“ genauso wie Zeitlupen „Yeahs“ kreieren hier ein Lebensgefühl, das zwar nach Sand, Meer und Freiheit riecht, aber dennoch meilenweit entfernt ist von Surf- und Beach-Boys-Rock-Romantik. Nein, hier kommt der große Moment der rockenden Zeitlosigkeit zum Tragen. Minutenlange Spiralen sanft hypnotisierender Gitarrenmelodien, die nicht nur nicht nerven wollen, sondern mit zunehmendem Genuss wachsen und wachsen, erinnern tatsächlich nicht von ungefähr an Dylansche Stilblüten.

Der junge Kurt Vile ist in seiner Art und Wirkungsweise ein derart erfrischend anderer und uneitler Dude und Rocker, lässig, schüchtern, down to earth und gewitzt, dass er mit seinem unaufdringlichen Charme eine überfällige Wohltat in einer Welt darstellt, die sich von denen der fleißig gescholtenen Hollywood-Schauspieler kaum noch unterscheidet. Da kann Jack White noch so sehr vom Können her der „Lionel Messi des Rock“ sein, Kurt Vile muss kein Terrain abstecken, keinen Thron verteidigen, keine Scheidungsschlammschlachten mit Models führen, und ist daher nicht nur ungeschminkt und ungekämmt schneller aus dem Haus, sondern auch schneller am Herzen der Hörer. Und das mit den vielleicht langsamsten Rock-Songs des Jahres.

Anspieltipps:

  • KV Crimes
  • Wakin On A Pretty Daze
  • Shame Chamber
  • Never Run Away
  • Air Bud

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