Tierra Santa - Mi Nombre Sera Leyenda - Cover
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Tierra Santa Mi Nombre Sera Leyenda


  • Label: Hellion Records Germany
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Name einer ewig überhörten Legende...

In ihrer Heimat Spanien sind Tierra Santa seit ihrer Gründung im Jahre 1997 zumindest erfolgreich genug, dass man sie nicht von vornherein als absolute Randerscheinung abstempelt. In unseren Breiten sieht es da schon ein wenig anders aus. Wer das Glück hatte, die Spanier in einer Zeit kennen zu lernen, als sie mehr nach Iron Maiden klangen als jene selbst, ist den Musikern treu geblieben und hütet sie seitdem wie einen Schatz. Auf ihrem neunten Album zeigt sich die Band aus La Rioja aber standhaft wie eh und je. Auch wenn große Überraschungen ausbleiben, wird in jeder Sekunde klar, dass Tierra Santa zusammen mit einer Gruppe wie Dark Moor eine unumstößliche Konstante in der zweiten Liga des Power Metals geblieben sind. Wobei „zweite Liga“ alles andere als wertend gemeint ist - der kommerzielle Erfolg blieb einfach nur aus. Und ehrlich gesagt sah es bei Tierra Santa auch nicht immer pralle aus: „Apocalipsis“ (2004) und „Mejor Morir En Pie“ (2006) bewegten sich sehr in die Hardrock-Ecke, was zwar nicht wirklich nach hinten los ging, aber weit hinter den wahren Qualitäten der Herren lag. 2008 folgte die vorzeitige Auflösung. Erst mit „Caminos De Fuego“ (2010) meldete man sich stark zurück und näherte sich wieder dem so liebgewonnen Power Metal. Longplayer Numero neun, „Mi Nombre Será Leyenda“, knüpft drei Jahre später glücklicherweise nahtlos an diesem Album an.

Zwar kommt es zu keiner Zeit an Bandklassiker wie „Sangre De Reyes“ (2001) und „Indomable“ (2003) heran, macht aber als ein Werk, welches klar für die lang erarbeitete Eigenständigkeit Tierra Santas spricht, alles richtig. Bombastisch und erhaben kann sich zum Beispiel der hymnenhafte Opener und Titeltrack als vielleicht bester seit zehn Jahren behaupten und lässt das Album direkt mit einem gewaltigen Knall beginnen. Die folgenden „Más Allá De La Vida“ und „Sólo Se Vive Una Vez“ hingegen geizen nicht mit prägnantem Riffing und Basslines, welche direkt vom Album „Indomable“ (2003) stammen könnten. Wie lange hat man wieder auf solch melancholische, stampfende Mid-Tempo-Nummern warten müssen? Ebenfalls picken sich Tierra Santa aus der persönlichen Liebe zu Power Metal und Hardrock das Beste aus beiden Welten heraus und geht einen Mittelwerk, der als Kompromiss ohne Frage klar geht: „Perdido En El Paraíso“, „El Último“, die simple aber wirkungsvolle Single „Héroe“ oder der gut gelaunte NWoBHM-Smasher „Hasta El Amanecer“ sind Hymnen, welche sich in den Gehörgängen einnisten und bis auf wenige Ausnahmen gar nicht auf Melodie-Spielereien wie Keyboards oder Samples zurück greifen müssen, wenn es das virtuose Spiel von Gitarrero Arturo Morras alleine hinbekommt.

Wer allen Ernstes noch behauptet, Power Metal sei zu cheesy, der höre sich Tierra Santa an und entdecke die Schönheit der E-Gitarre immer wieder von neuem. Und Gott, wenn das nicht Metal ist, was bitteschön dann? Einzig und allein das von Plastikfanfaren versuchte Synthie-Debakel „Si Estás Allí“ treibt es mit seinem Wildern in AOR-Gefilden ein wenig zu weit. Und die Ballade „El Cielo Puede Esperar“ ist sicherlich auch nicht die beste, die Tierra Santa in ihrer Karriere geschrieben haben.

Da macht die akustische, beinahe noch bessere Version von „Héroe“ schon weit mehr Spaß. Nebenbei: Spaß hatte die Band anscheinend auch. Sie ist jedenfalls in bester Spiellaune und spielt sich die großen Momente in bester Teamarbeit zu. Sänger Ángel ist nach wie vor die Stimme der spanischen Power-Metal-Szene, während seine Kollegen stets eine Harmonie zwischen Virtuosität und Songdienlichkeit erreichen. Am Ende machen Tierra Santa dann doch (fast) alles richtig und beweisen unaufgeregt und völlig natürlich ihre musikalische Erfahrung. Mit „Mi Nombre Será Leyenda“ untermauern sie im wahrsten Sinne des Wortes ihren Legendenstatus. Wer sich allen Ernstes einen Fan von Power Metal schimpft und eben diese Legende nicht kennt, hat die letzten 15 Jahre verschlafen und sollte die Wissenslücke so schnell es geht schließen. Ein Pflichtwerk für Genrefreunde, -liebhaber und -kenner, eine Band, die immer wieder neu entdeckt werden will.

Anspieltipps:

  • Mi Nombre Será Leyenda
  • Más Allá De La Vida
  • Sólo Se Vive Una Vez
  • Héroe
  • Perdido En El Paraíso
  • El Último

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