Murmansk - Rüütli - Cover
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Murmansk Rüütli


  • Label: Around Your Neck/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der finnische Vierer stellt eines der hässlichsten Cover des noch jungen Jahres. Doch was heißt das schon?

„Sie haben schon für dEUS geöffnet!“ Wenn man diesen Satz über Murmansk aus Finnland hört, dann bleibt eigentlich auch nichts mehr, als sich zumindest eine Hand mit voller Wucht vor die Stirn zu klatschen. Wie Schuppen von den Augen fällt es einem, wenn man den abgehobenen Rock des Vierers beschreiben will. Irgendwo zwischen geradliniger Erdigkeit und psychedelischer Abgehobenheit siedeln sich Murmansk nämlich auch weiterhin an, ohne Rücksicht auf Gewohnheiten zu nehmen. Aber dann würde den Hörern nachher ja nur langweilig werden...

Determiniert. Das ist das Losungswort für das neue Werk „Rüütli“. Wenngleich manch einer die Schweiz und abgehobene Alphorn-Experimente à la Björk vermuten mag, ist die neue Murmansk-Scheibe schlichtweg ein ätherischer Rockbrocken. Das wird nirgends mehr so deutlich als im Opener „Contradisco“ dargestellt, der seinen stampfenden Rhythmus nach knapp drei Minuten nur um ein paar Töne dreht und schon wird aus einer düsteren Beschwörung eine stampfend aufbegehrende Hymne. Das hat beinahe etwas von Zauberei, wie der Vierer seinen im Grunde düsteren Stil nach Belieben derart verwandeln kann. Die Band schafft es allerdings nicht, diesen Trick in gleicher Weise zu wiederholen, was den Opener nicht nur als König dieses progressiven Albums erscheinen lässt, sondern Teile dessen schlicht in eine andere Liga verweist.

Das heißt natürlich nicht, dass Murmansk vom Weg abkommt, doch das angesprochene, düstere Element darf sich sonst allerdings problemlos ausbreiten. Gemeinsam mit Joycehotel könnte ein „Mercury“ wahrscheinlich für tonübertragene Depressionen sorgen. Zwar zeigt sich die Düsternis auch über kraftvolle Wut („Peel“), ätherische Hymnen („Shake Off The Tears“) und gewaltige Rocksongs (z.B. „Outrun“), doch die Stringenz und Geradlinigkeit dieser Nummern verwundert besonders in Hinblick auf den fantastisch gestalteten Opener.

Ausgerechnet das kurze „A Meeting With The Oracle“ beweist, dass die Band durchaus in der Lage ist, virtuos Stimmungen anzudeuten oder auch verschwinden zu lassen. Das sind die Momente, die Murmansk aus der Masse herausstechen lassen. Erahnen lässt sich diese atmosphärische Tiefe vielleicht noch in „The Dead Adventurer“, doch ansonsten scheint die Band sich in direkter Power ausdrücken zu wollen. Und bei so stimmungsvollen, wenn auch ungleich einfacheren Stücken wie „Mercury“ und der Single „123.4“, sowie krachenden Rockern wie dem bereits genannten „Peel“, will man es der Band auch nicht allzu übel nehmen.

Was den Mix am Ende nicht optimal erscheinen lässt, sind die gescheiterten Experimente und unpassenden Momente. Das ruhige „Night Time“ ist ein Fremdkörper sondergleichen und weder „Married To Beetlejuice“ noch „Hungry Hippos“ werden ihrer gewollt knackigen Kürze gerecht und müssen als gescheiterte Experimente gelten. Ansonsten zeigt Murmansk allerdings abermals, dass sie einen eigenen Stempel haben, den sie ihrer Musik durchgehend aufdrücken. Dass unter diesen einfachen, aber prägnanten Stempeln ein paar handgezeichnete Meisterwerke dabei sind, macht Lust auf mehr, erhöht aber auch weiterhin den Druck auf die Band.

Anspieltipps:

  • Contradisco
  • A Meeting With The Oracle
  • Mercury

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