Feed Me - Calamari Tuesday - Cover
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Feed Me Calamari Tuesday


  • Label: Sotto Voce/Rough Trade
  • Laufzeit: 72 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Launiges und launenhaftes Debüt des Briten hinter Feed Me.

In so ziemlich jedem aktuellen elektronischen Genre, das aus Großbritannien kommt, wütet Jon Gooch. Als Spor produziert er seit fast einem Jahrzehnt Drum & Bass, als Seventh Stitch hat er sich vor ein paar Jahren an IDM versucht. Zudem erschien im Jahr 2008 Goochs erste Single als Feed Me, sein bisher erfolgreichstes und sicherlich bekanntestes Projekt. Nach fünf Jahren mit EPs und Singles erscheint nun Feed Mes erster Longplayer.

Man kann sagen, dass sich „Calamari Tuesday“ in erster Linie der amerikanisch geprägten Dubstep-Bewegung (aka Brostep) widmet. Alleine greift diese Aussage aber sicherlich zu kurz. Gooch vermischt hier alles, was momentan mehr und weniger die Tanzflächen dominiert: klassischer EDM, House, Drops, gepitchte Bässe, eingängige Vocals, Glitch, Trap, ein bisschen Techno und Kreissägen-Synthies. All das abwechselnd in allein stehenden Songs oder wie ein DJ-Set ineinander überlaufend, aber auf jeden Fall knackig produziert.

Zugegeben, es mutet manchmal ein wenig seltsam an, wenn auf einen bombastischen Track wie „Death By Robot“ plötzlich „Lonely Mountain“ folgt, das langsam mit einem seichten Piano beginnt. Doch Gooch lässt den Hörer nicht lang in solchen Löchern und zieht die Tracks hoch wie ein Maurer auf Speed seine Mauern. Genau da liegt auch das Problem des Albums. Nichts anderes erwartet man von einem Maurer. Das einzige was Gooch als Feed Me anders macht ist, mit bunten Steinen ein bisschen mehr Farbe reinzubringen. Doch das, soviel muss man ihm lassen, macht er extrem gut.

„Calamari Tuesday“ ist genau deswegen definitiv jenseits von solide und macht, weil jeder Track seine eigene kleine Besonderheit vorweisen kann, auch an allen Ecken Spaß. Seien das die Synthie-Gitarren, die auf „Lonely Mountain“ mit Wobble-Bässen gepaart, die House-Beats, die auf „Ophelia“ mit Synthie-Trompeten und Reggae-Vibes vereint oder die Saxophon-Synthies, die auf „Chinchilla“ mit Glitch-Effekten kombiniert werden. Vieles erinnert dabei tatsächlich an andere Produzenten, die beiden letztgenannten Tracks klingen beispielsweise stark nach Major Lazer und GriZ, doch Gooch schafft es, seine eigene Handschrift deutlich zu machen.

Leider wird diese Handschrift immer schmieriger. Gegen Ende des Albums sind viele Songs nicht mehr so ideen- und abwechslungsreich wie zuvor. Das ist auf dem Niveau noch verkraftbar, aber trotzdem schade. Zum Schluss gibt’s dafür aber nach einem recht guten Closer einen kleinen Hidden Track mit 8-Bit-Effekten, der zum Schmunzeln anregt.

Anspieltipps:

  • Death By Robot
  • Lonely Mountain
  • Ophelia
  • In The Bin

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