Oranssi Pazuzu - Valonielu - Cover
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Oranssi Pazuzu Valonielu


  • Label: Svart Records/CARGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Lieder, die wie Crack sind: betritt den musikalischen Maelstrom, geh elendig zu Grunde, mach's direkt nochmal!

Was braucht der Black Metal? Unbarmherzige Abgründigkeit! Was fehlt dem meisten Black Metal? Genau das – stattdessen gibt es rumpelnde Härte und eine Kellerproduktion, die am besten noch zur kunstvollen Tätigkeit erhoben werden. Oranssi Pazuzu, finnisch für „orangener Pazuzu“ (ein babylonischer und assyrischer Dämon) machen alles anders und entdecken wie nur wenige Genrekollegen eine alternative Morbidität. Sie bauen sich ihren abartigen Klangkosmos aus der Härte des Black Metals, aus hypnotischen Doom, aus Space- und Krautrock. Einzuordnen sind die Finnen dabei nicht, was sich als großer Vorteil für ihren dritten Longplayer „Valonielu“ erweist. Tatsächlich kompilieren Jun-His (Gesang, Gitarre), Moit (Gitarre), Ontto (Bass), EviL (Keyboard) und Korjak (Schlagzeug) weniger, sondern fusionieren die verschiedenen musikalischen Stile regelrecht und lassen sie gleichberechtigt ihren Sound dominieren. Das macht „Valonielu“ äußerst eigenständig, frisch und spannend.

Doch das Album erfordert die volle Aufmerksamkeit und entfaltet sich erst nach und nach, was selbst alten Hasen ein belohnendes Gefühl gibt, mit dem diverse Prog-Acts einfach nicht mehr dienen können. In dieser Hinsicht ist „Valonielu“ wahrhaft fortschreitend. Die Longtracks „Uraanisula“ und „Ympyrä On Viiva Tomussa“ stehen stellvertretend dafür. Oranssi Pazuzu konfrontieren den Hörer mit einem abgründigen, experimentellen Metal, der aus völliger Natürlichkeit heraus komplex ist und mit pointiert eingesetzten psychedelischen Arrangements die hypnotisierende Stimmung des Doom- und Post-Metals als klar zu erkennendes Stilmittel etabliert. Ob nun metallische Eruptionen, die auf morbide Elektrosounds treffen („Tyhjä Tempelli“), völlige Trancezustände („Vino Verso“), wummernde, surrende Psychotrips („Olen Aukaissut Uuden Silmän“) bis hin zu einem reinen Ambient-Intermezzo („Reikä Maisemassa“): Oranssi Pazuzu gehen spielerisch mit ihrer Musik um und haben anscheinend die allergrößte Freude ihren Hörern die musikalische Heroinspritze in die Venen zu rammen. Das verwirrt, das will auch verwirren. Die Struktur offenbart sich in der Regel ziemlich langsam und zündet dann doppelt heftig. Anders als im Djent komponierte man hier mit klaren Zielen, Hintergedanken und trotz der immer wieder aufblitzenden Andersartigkeit, mit einem roten Faden.

Genau das zeichnet Oranssi Pazuzu als eine Band aus, die es versteht trotz ihrer vielen Einfälle und musikalischer Virtuosität, das Songwriting an die erste Stelle zu bringen. Was anfangs konfus klingt, wird schließlich schlüssig und zieht den Hörer letzten Endes in einen Abgrund, den jede Black-Metal-Band gerne hätte, der aber nur in den seltensten Fällen geöffnet werden kann. Die Finnen vollführen dieses Kunststück mit Bravour und zeigen sich mit „Valonielu“ als eine für das Genre äußerst wichtige Band. Der Black Metal braucht immer wieder kleine Ausnahmeerscheinungen, untrve Pioniere. Er braucht den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand, das wahrhaftige Sprengen der Ketten, welches immer wieder großspurig angekündigt werden will, dann letztendlich doch nur als Umarrangieren der Klischees endet. Oranssi Pazuzu beweisen mir „Valonielu“ ihre Eigenständigkeit und entführen den Hörer in ihre abstrakte Drogenhölle. Für Freunde von höchst inspiriertem Metal ein Muss! Freunde von progressiver Musik sollten sogar noch mehr Freude haben.

Anspieltipps:

  • Vino Verso
  • Uraanisula
  • Olen Aukaissut Uuden Silmän
  • Ympyrä On Viiva Tomussa

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