Tollak Ollestad - Press On - Cover
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Tollak Ollestad Press On


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu Hause in Rock, Funk, Soul, Blues, Jazz. Und überall souverän!

Es gibt Werke, die sehnlichst erwartet werden, Werke, die schon Monate vor ihrem Release einen regelrechten Hype erfahren und Werke, die einfach in der Versenkung verschwinden und über die man sich im Nachhinein sehr viel mehr freut, wenn sie dann doch noch entdeckt werden. „Press On“ ist ein solches Album. Der Name Tollak Ollestad versprüht nicht gerade Glamour und Weltruhm, aber es ist der Name, der immer dann fällt, wenn die Großen der Musikindustrie den besonderen Feinschliff suchen. Dieser Mann ist zur Stelle, wenn die Mundharmonika zur Stelle sein soll. Und so wird Herr Ollestad zum Helden der zweiten Reihe, wenn in den Credits der Alben von Billy Idol, Andrea Bocelli, Natalie Cole oder Earth Wind & Fire sein Name als Spur eines Heinzelmännchens zu finden ist. Ein Komponist und Multiinstrumentalist (Mundharmonika, Klarinette, Gitarre, Piano, Gesang) ist der gute Tollak ebenfalls und hier rutscht der in Alaska geborene Mann vom gefragten Sessionmusiker letztendlich in Special-Interest-Gefilde ab. Seine bisherigen Studioalben „Walk The Earth“ (2004) und „Across The Rubicon“ (2009) sind allenfalls Kennern von Blues, Funk und Soul ein Begriff - wenn überhaupt!

Ob sein „Press On“ etwas daran ändern wird? Es ist zu bezweifeln. Und gerade das ist schade! Tollak hat hier ein Album geschrieben, welches einen äußerst abwechslungsreichen Mix aus Blues, Funk, Soul, Pop und gelassenem Smooth Jazz bietet. Das klingt vorerst strikt heterogen, zeugt aber zu jeder Zeit von Tollaks Songwriter-Talent, das in Form eines Gesamtwerks höchst eigenständig, komplex und dennoch eingängig wirkt. Höchst vergnüglicher Pop-Rock, welchen man im Opener und Titeltrack, „Another Man“ und „Drama Queen“ findet, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Sobald Tollak seiner Mundharmonika den „Gesang“ übernehmen lässt und dies mit Blues und Jazz kombiniert („Wonder Of It All“, „Soul4Soul“), zeigt sich seine wahre musikalische Leidenschaft. Kinnas, wer braucht denn da bitteschön noch „Ave Maria“ furzende Brummifahrer? Tollaks Spiel wird mit dem von Stevie Wonder und Toots Thielemans verglichen. Wer dem lyrischen Spiel seines Instruments lauscht, versteht warum. Dieser Mann ist eben kein Amateur...

Auch gesanglich ist der Herr Ollestad überraschend gut dabei. Sein Blue-Eyed Soul ist sicherlich keiner, der sich mit den ganz, ganz Großen messen kann, hat aber eine Wärme und Reichweite, die schlagartig in Rock überschlagen kann und von einem eigenen Charakter zeugt. Sein Gesang ist an nicht wenigen Stellen mit der Mundharmonika gleichberechtigt. Im herrlich jazzigen, sowohl musikalisch äußerst anspruchsvollen, als auch direkt zündenden „Jungle“ oder dem folgenden „Youngblood“ ist dies gut zu hören. „Procrastinator“ hingegen wird als Funk-Nummer präsentiert, die durch den Einsatz der Mundharmonika dezente Bluegrass-Anstriche bekommt. Die beinahe komplett instrumental gehaltenen Schlusslichter „Under The River“ (leicht verschachtelt) und „2 AM“ (groovend und frickelig) zelebrieren die verschiedenen Stile des Albums, wobei Blues und Jazz den höchsten Stellenwert bekommen. Das alles macht Tollaks „Press On“ zu einem abwechslungsreichen, vergnüglichen Erlebnis, welches von einer hohen Musikalität zeugt, die nicht nur Freunde von Blues, Jazz und Funk abholen sollte. Auch in Sachen Songwriting zeigt sich Tollak Ollestad erfahren und stilsicher. Andere Musiker würden mit „Press On“ ihren absoluten Durchbruch schaffen, der Mundharmonika-Koryphäe sieht man es an der Nasenspitze an, dass es ihr bereits reicht, ihre Ideen einem kleinen Publikum vorzustellen. Eine Herzensangelegenheit nennt man so was - und das merkt man!

Anspieltipps:

  • Soul4Soul
  • Jungle
  • Procrastinator
  • Under The River
  • 2 AM

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