Marteria - Zum Glück In Die Zukunft II - Cover
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Marteria Zum Glück In Die Zukunft II


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dicken Beats und Ernsthaftigkeit zum Glück.

Einer Fortsetzung begegnet man immer mit gewisser Skepsis. Doch Marteria tritt, trotz plakativer „2“ hinter dem Albumtitel, nicht in die Fußstapfen schlechter Sequels. Im Gegenteil, „Zum Glück In Die Zukunft 2“ ist wohl noch besser als sein Vorgänger und macht deutschem HipHop alle Ehre.

Nach kurzem Intro mit Vintage-Sound, 90er-Jahre Boom-Bap und den obligatorischen Shout-Outs an Produzenten, Crew und sich selbst, legt Marteria auch schon direkt mit seinem Kracher „Kids“ los. Mit so einem Soundtrack kann man auch die alltägliche Routine und das Altern locker nehmen. Gleichzeitig dient der Track aber nicht nur als bombastischer Auftakt, sondern auch als subtiler Hinweis auf das Thema des Albums. Die Krauts haben mit der Produktion wieder reife Arbeit geleistet, doch Marterias Mundwerk klingt noch reifer, noch erwachsener als zuvor. Marteria selbst begründet das mit dem Erfahrungsreichtum, den ihm seine Weltreise beschert hat und der ihm angeblich helfen sollte, wieder Substanz in deutsche Musik zu bringen.

Das wird auch der Hintergrund hinter „OMG!“ sein, das sich ganz der Sinnsuche widmet. Doch Marteria bleibt bescheiden und selbstreflexiv. So wirkt „Gleich Kommt Louis“ wie eine nachdenkliche B-Seite vom „Louis“ des Vorgängers, die sein Vaterwerden von einer seriösen Seite beleuchtet. Sicherlich bietet sich Marten Lacinys Stimme perfekt dafür an, den ernsten Marteria zu geben, doch auch technisch scheint Marten seine Mitte gefunden zu haben. Er rappt manchmal fordernd, meistens lässig, wie man es von „Verstrahlt“ schon kannte. Mit „John Tra Volta“, „Alt & Verstaubt“, „Eintagsliebe“ und anderen bietet „ZGIDZ 2“ eine Menge Tracks, die diesen Flow auch unterstreichen und außerdem Marterias tiefer Stimme jede Menge Platz lassen.

Doch auch Hau-Drauf-Songs wie „Bengalische Tiger“ oder eben „Kids“ kommen nicht zu kurz. Und genauso wie das Album viele Seiten hat, kann man den Jungen mit der Steinschleuder auf vielerlei Weisen verstehen. Als das Kind, das nach Marterias Verständnis um Aufmerksamkeit und seine Zukunft kämpft, und somit für die seriöse Seite steht. Als das rebellisch-spielerische Kind, das sich gemäß dicker Beats austobt. Als Erinnerung an die eigenen Vorsätze und Ziele, die Marteria wieder aufwecken möchte. Dass all diese Sichtweisen ineinander fließen, zeigt letztlich, dass auch die Mischung auf dem Album einfach stimmt.

Anspieltipps:

  • Kids
  • Glasklar/Herzglüht
  • John Tra Volta
  • Eintagsliebe

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