Beyoncé - Beyoncé - Cover
Große Ansicht

Beyoncé Beyoncé


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 67 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
8.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Beyoncé wagt den Stilwechsel und taucht in düstere und doch sexy Klangwelten ab.

Da hat sich die gute Beyoncé (32) in Sachen Marketing ganz bestimmt etwas bei ihrem Ehe- und erfolgreichen Geschäftsmann Jay-Z (44) abgeschaut, der sein letztes Studioalbum „Magna Carta Holy Grail” (07/2013) für ein paar Milliönchen an die Firma Samsung verhökerte, damit die es ihren Smartphone-Kunden exklusiv vor dem offiziellen Verkaufsstart als Download anbieten konnte. Frau Knowles-Carter hat sich für ihr neues, schlicht „Beyoncé“ betiteltes Werk einen vergleichbaren Marketing-Gag ausgedacht. Sie stellte es am 13. Dezember 2013 völlig ohne Vorankündigung und Promotion via iTunes ins Internet und löste damit einen Run aus, der „Beyoncé“ zum schnellstverkauften Album in der iTunes-Geschichte machte.

Mit 828.773 abgesetzten Einheiten in nur drei Tagen erreichte es den ersten Platz der Album-Charts in 104 Ländern und bescherte den Fans und Medien in einem nicht sonderlich aufregenden Musikjahr wenigstens noch einen letzten Mini-Höhepunkt, der eine Woche nach dem digitalen Release auch noch ganz altmodisch in CD-Form auf den Markt gebracht wird. Ganz und gar nicht antiquiert ist dagegen die Musik, die Beyoncé in den 14 Tracks zusammen mit Kollaborateuren wie Timbaland, Justin Timberlake, Pharrell, Frank Ocean, Drake und Jay-Z auf die Beine gestellt hat.

Weit über eine Stunde lang präsentiert die 32-Jährige Songs, die sich deutlich von den bombastischen Pop- und R&B-Ergüssen ihrer letzten Alben hinfort bewegen. Passend zum minimalistisch-kühlen Cover des Albums, ist Beyoncé hörbar um Anschluss an aktuelle Gerne-Trends bemüht. Dies äußerst sich in betont schwülstiger Erotik („Haunted“, „Superpower“), düsteren R&B-Sounds im Stile von The Weeknd und Janelle Monáe („Drunk in love“), elektronisch gefärbten R&B-Klängen im Fahrwasser von Nicki Minaj („***Flawless“) und 70er-Jahre-inspirierten Soul-Funk-Tracks („Blow“).

Aus dem daraus resultierenden Konzept entwickelt sich ein Album, das auffällig oft mit vertonten Sex-Geständnissen à la Prince („Rocket“) und R. Kelly („No angel“) daherkommt und nicht mit expliziter Lyrik geizt. Wir lernen daraus, dass Beyoncé spätestens seit ihrer Ehe mit Jay-Z nicht mehr das liebe kleine Mädchen aus Texas ist, sondern es faustdick hinter den Ohren hat und genau weiß, wie man den Drachen eines Gangsta-Rappers steigen lässt.

Weil Beyoncé nicht so klingt wie auf ihren vorherigen Alben, mag ihr fünftes Werk für den einen oder anderen Hörer experimentell anmuten. Aber nachdem „4“ (06/2011) alles andere als ein Volltreffer war, ist dieser mutige Schritt genau der richtige, auch wenn „Beyoncé“ ein paar Hördurchgänge benötigt, um seine ganze Wirkung zu entfalten. Doch das ist allemal besser als ein Longplayer, der mit zwei Hits um die Ecke kommt und ansonsten nur Füllmaterial enthält.

Anspieltipps:

  • Blow
  • Jealous
  • Haunted
  • Superpower
  • Pretty hurts
Neue Kritiken im Genre „R&B“
8/10

When I Get Home
  • 2019    
Diskutiere über „Beyoncé“
comments powered by Disqus