Mayan - Antagonise - Cover
Große Ansicht

Mayan Antagonise


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 62 Minuten
Artikel teilen:
3.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn hier offen Kritik geübt wird, sollte die NSA bei so viel Inspirationslosigkeit nur müde lächeln.

Der Metal setzte sich schon immer mit sozialen, politischen und philosophischen Fragen auseinander. Kein Wunder also, dass das aktuelle Thema der Überwachung und Spionage - die NSA-Affäre von 2013 wird dabei nicht explizit genannt - ein ziemlich dankbares weil unverbrauchtes ist. Das dachte sich wohl auch Mark Jansen, seines Zeichens Gitarrist, Growler und Bandmitbegründer von Epica, der sich der Big-Brother-Thematik flugs annimmt und sie ins Zweitwerk seiner eigenen Band Mayan einbaut. Diese stellte sich bereits im Jahr 2011 mit „Quarterpast: Symphonic Death Metal Opera“ vor und der eingeschlagene Weg Jansens soll auch auf „Antagonise“ nicht verlassen werden. Doch all den guten Ideen zum Trotz, scheitert das siebenköpfige Projekt an seinen eigenen Anforderungen und bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Das große Problem von „Antagonise“ ist, dass der Hörer über die komplette Spielzeit von über einer Stunde das Gefühl hat, einen Death Metal zu hören, der arg konstruiert ist. Die gebotene Härte harmoniert so gut wie nie mit den ausufernden orchestralen Arrangements, was ziemlich beliebig und unpassend klingt, sowie letzten Endes beide Welten unglaubwürdig erscheinen lässt. Kompositionen wie „Paladins Of Deceit - National Security Extremism Part I“, „Faceless Spies - National Security Extremism Part II“, „Enemies Of Freedom“ und besonders „Burn Your Witches“ wirken wie aneinandergereihte Jamsession-Fragmente und in besonders negativen Momenten wie bloße Puzzlestücke, die mit Gewalt zusammengesteckt werden, da vermeintlich ja „systematisches Chaos“ generell interessant und künstlerisch (?) wirkt. Der Hörgenuss bleibt auf der Strecke und ist allenfalls an wenigen Stellen vorhanden. Doch lohnt es sich wirklich für wenige Lichtblicke, die Songs dahinplätschern zu lassen, sich über das eine oder andere gute Gitarrensolo oder einen bombastischen Einsatz des Orchesters zu freuen, nur um sich anschließend wieder auf die Durststrecke der Inspirationslosigkeit zu begeben? Gerade in dieser Hinsicht scheitert „Antagonise“ kolossal. Es liegt nicht daran, dass der Versuch, Death Metal mit symphonischen Arrangements aufzupeppen, nichts Neues mehr ist. Das machen andere auch; einige besser, andere schlechter.

Es ist vielmehr traurig und ärgerlich, dass Mayan offenbar vorhatten, mit „Antagonise“ ein Überwerk zu produzieren und letzten Endes von ihren eigenen Ambitionen erdrückt werden. Vieles klingt zu gewollt, zu sehr aus reinem Selbstzweck heraus. Die angepriesene Zugehörigkeit zum Prog hingegen ist ein Freischein, Songwriting getrost zu ignorieren und uninteressante, orientierungslose Parts als anspruchsvoll oder komplex zu verkaufen. Mit so einer Mogelpackung kommt man heute nicht mehr durch; schon alleine, wenn man bei einem Major gesignet ist und es so viele Bands mit weitaus weniger Unterstützung besser hinkriegen. Sowohl Freunde von Symphonic-, als auch Prog- und Death-Metal (der bis auf die Growls und relativ zaghaften Riffwalzen hier gar keiner ist) finden in ihren jeweiligen Lieblingsgenres so viele bessere Alternativen. Allenfalls Epica-Fans freuen sich über gefühlte B-Seiten mit zugegeben recht cleveren Lyrics. Vielleicht beim nächsten Mal...

Anspieltipps:

  • Bloodline Forfeit
  • Devil in Disguise
  • Capital Punishment

Neue Kritiken im Genre „Symphonic Metal“
7.5/10

Human. :II: Nature.
  • 2020    
6.5/10

Where I Reign: The Very Best Of The Noise Years 1995-2003
  • 2016    
Diskutiere über „Mayan“
comments powered by Disqus