Hammercult - Steelcrusher - Cover
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Hammercult Steelcrusher


  • Label: Sonic Attack/SPV
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Phänomenale Songs und uninspiriertes Dümpeln können hier einfach nicht die Waage halten.

Heißen Dank an Orphaned Land. Jungs, mittlerweile gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass ihr wahrhaftige Pioniere für die israelische Metal-Szene seid. Ohne euch hätten es Bands wie Betzefer oder in diesem Falle Hammercult gar nicht erst aus der Heimat geschafft. Ja, es ist einfach schön zu sehen, welch Plattform Bands aus Israel mittlerweile bekommen. Dennoch wird mehr und mehr deutlich, dass viele Bands genau von dem Exotenbonus profitieren, den Orphaned Land längst haben überwinden können. Die im Jahre 2010 gegründeten Hammercult fallen genau in dieses Raster - es ist eben en vogue, mit einem Israeliten im Portfolio aufwarten zu können. Zur Verteidigung von Yakir Shochat (Gesang), Elad Manor (Bass), Maayan Henik (Schlagzeug), Arie Aranovich und Guy Ben David (beide Gitarre) ist dennoch zu sagen, dass sie sich im Rahmen des W:O:A Metal Battle 2011 gegen 29 andere Bands erfolgreich durchsetzen konnten und auf ihrem zweiten Longplayer „Steelcrusher“ eine außerordentlich solide Performance ablegen, die sowohl phänomenale Thrash-Monster als auch ärgerliche Belanglosigkeiten abdeckt.

Exotenbonus versus Können, Multi-Kulti versus Talent: Die Antwort fällt bezüglich Hammercult im Allgemeinen und „Steelcrusher“ im Speziellen schwer. Schonmal gut ist, dass sich die Burschen nicht wie ein Gros ihrer Genrekollegen anhören und definitiv ihren eigenen Charakter haben - selbstverständlich ohne das Rad neu zu erfinden. Sobald Hammercult sich aber zu absoluter Brachialität zwingen, nehmen sie einen Tunnelblick an, der dem kompletten Album die Dynamik nimmt und sie all zu beliebig klingen lässt. In den Songs „We Are The People“, „Unholy Art“, „Liar“ und „Satanic Lust“ wirkt der Hardcore-Einschlag einfach nur störend und unglaubwürdig. Der Thrash-Head will der Band eine solche Nummer einfach nicht abkaufen. Sehr viel besser funktionieren zünftige Knüppeler, welche sich nicht nur ein Mal an so ziemlich jeder Schaffensphase Kreators orientieren. Der Clou dabei ist, dass Hammercult so manche Komposition mit herrlich melodischen NWoBHM-Riffs und Soli anreichern.

Davon profitiert die Band ungemein, da dies aus irgendeinem Grund immer noch eine Randerscheinung zu sein scheint. Auch und vielleicht besonders im Thrash Metal, dessen Traditionalismus sich heutzutage auf die frühen Taten weniger Genrehelden beschränkt. Solch Nummern wie der Titeltrack, „Metal Rules Tonight“, „Damnation Arise“ oder „Ironbound“ kriegen erst so ihren letzten Schliff, machen wirklich Spaß und zeugen vom hohen Können der gesamten Band. Fatal ist, dass sich die genannten Kompositionen mit den eher uninspirierten abwechseln und so erst gar kein Hörfluss entstehen will. Dann wird „Steelcrusher“ ausgebremst und verliert so direkt wieder seine Orientierung. So geht es beinahe über die gesamte Albumlänge: eine echte Sisyphusarbeit.

Dennoch lohnt es sich, „Steelcrusher“ in seinen besten Momenten gehört zu haben. Dann musizieren die Jungs aus Israel außerordentlich spannend, dynamisch und beschenken ihre Hörerschaft mit wahrhaft fantastischen Songs. Hätten sie dazu noch einige Filler von Bord geworfen und sich mehr auf ihre Stärken konzentriert, dann könnte man gut und gerne von einem der vielleicht besten Newcomer der letzten Jahre sprechen. In ihrer jetzigen Form fehlt Hammercult aber der letzte Schliff, den sie für eben so eine Bewertung benötigen und so ist „Steelcrusher“ ein Album, welches leicht über dem Durchschnitt liegt. Freunde von Thrash Metal dürfen trotzdem ein Ohr riskieren und sollten die Gruppe nicht aus den Augen verlieren. Hier könnte tatsächlich noch einiges kommen.

Anspieltipps:

  • Steelcrusher
  • Metal Rules Tonight
  • Ironbound
  • Damnation Arise

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