Tempel - On The Steps Of The Temple - Cover
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Tempel On The Steps Of The Temple


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Jede Stufe hinauf zum Tempel wirkt wie ein klaffender Abgrund.

Diese Pilgerreise zum Tempel entpuppt sich als eine mit allzu vielen Hindernissen. Denn so viel sei schon mal im Vorfeld gesagt: Leicht machen es uns Ryan Wenzel (Gitarre, Keyboard, Bass) und Rich Corle (Schlagzeug) ganz bestimmt nicht. Ihr Debüt „On The Steps Of The Temple“ ist ein rein instrumentaler, wahrhaft erhabener Koloss, der viel Zeit und Geduld benötigt, um dem Hörer seine wahre Kraft zu präsentieren. Bereits rekrutierte Fans schwören auf die Musik der zwei Herren aus Phoenix, Arizona. Denn wirklich neu ist „On The Steps Of The Temple“ nicht. Als waschechtes Indie-Release präsentierte man das Album bereits im August 2012 - rein digital. Damals firmierten Wenzel und Corle noch unter dem Namen Temple und wussten bereits Presse und Hörerschaft zu überzeugen. Da ist es natürlich umso schöner, dass man sich nun erbarmt, ihr Album physisch zu re-releasen. Damit dürfte es späte Anerkennung finden. Und auch der Musikliebhaber bekommt einen dieser raren Momente von „endlich bekommt mein überkrasser Geheimtipp seine zweite Chance“ spendiert. Eines vorweg: Alles, wirklich alles hat in diesem Fall seine Berechtigung und macht Sinn!

„On The Steps Of The Temple“ ist ein höchst musikalischer, fesselnder Beitrag aus den Sparten Doom, Stoner und Post, der es versteht, in seiner metallischen Nische für Aufregung und eine frische Brise zu sorgen. Dass es sich wie erwähnt um einen rein instrumentalen Beitrag handelt, mag eventuell abschrecken, fällt aber hinsichtlich der relativen Kurzweile kaum ins Gewicht. In den sechs Kompositionen - so verschachtelt manche auch sein mögen - passiert einfach zu viel. Damit vollführt das Duo einen schweren Spagat: Komplexität und Eingängigkeit. Abwechslungsreichtum schreiben die Musiker dabei groß, was sich bei einem Album dieses Kalibers als äußerst wichtig erweist. „Avaritia“ beispielsweise ist moderner Prog mit leichten Anleihen an die mittlerweile von Anekdoten und Opeth wiederentdeckte und salonfähig gemachte Skandinavische Schule des klassischen Progs der 90er-Jahre - herbstliche Melancholie mündet in einem Doublebassgewitter und schließlich im hypnotischen, spannungsgeladenen Bombast der Salt-Lake-City-Revolutionäre SubRosa. „Final Years“ - mit knapp fünf Minuten leider viel, viel zu kurz geraten - nähert sich in seiner Intimität und Verträumtheit der Metal-/Shoegaze-Symbiose von Alcest.

Der Opener „Mountain“ und das Schlusslicht hingegen stellen brachiale Metal-Nummern dar - letztere mit dezenter Black-Rumpelei, die immer wieder Platz für ruhige Passagen lässt, nur um doch wieder die Dominanz an sich zu reißen. „Rising From The Abyss“ ist schmutzige, verstörende Doom-Kunst mit frechem Post-Rock-Zwinkern in Richtung Pelican und Ancestors. Tempel nutzen das Fernweh in ihren Melodien als Kontrast zu der Härte eines beinahe traditionellen Extreme Metals. Ziemlich verstörend gestaltet sich „The Mist That Shrouds The Peaks“ als Glanzlicht des Albums. Grollende Riffs sowie zermarternde Drums lassen diese Dampfwalzen-Komposition zähflüssig wie Lava erscheinen - der Höhepunkt ist spätestens dann erreicht, wenn ein groovend-virtuoser Bombast den Tempelberg in Dunkelheit verhängt.

Somit kann sich „On The Steps Of The Temple“ durchsetzen und sollte für Freunde der metallischen Innovation ein gefundenes Fressen darstellen. Ryan Wenzel und Rich Corle gehen ihren eigenen Weg, ignorieren derzeitige Moden und haben es vollbracht, eines der leider noch viel zu seltenen Instrumental-Werke einzuspielen, das selbst Gegner gesangloser Musik überzeugen und faszinieren sollte. „On The Steps Of The Temple“, das ist eine knapp einstündige, betäubende Tour de force, welche mit ihrem Re-Release hoffentlich einen zweiten Frühling bekommen wird. Aber egal, ob der Longplayer bereits kleine Wellen schlagen konnte - in Sachen Metal ist „On The Steps Of The Temple“ der vielleicht erste Höhepunkt des Jahres 2014. Dieses Album ist eine Urgewalt.

Anspieltipps:

  • Final Years
  • The Mist That Shrouds The Peaks
  • Avaritia
  • On The Steps Of The Temple

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