Broilers - Noir - Cover
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Broilers Noir


  • Label: People Like You Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Mischung aus Pop, Rock, Ska-Punk und NDW driftet langsam ins Nirwana.

Als das „Oi“ in „Broilers“ noch Bedeutung hatte, war die Fangemeinde der Düsseldorfer Punkrocker ziemlich überschaubar. Etliche Jahre und einige Alben später füllen Sammy Amara (Gesang, Gitarre), Ronald Hübner (Gitarre), Ines Maybaum (Bass), Christian Kubczak (Keyboard, Piano, Orgel) und Andreas Brügge (Schlagzeug) große Hallen, dem Erfolg ihres fünften Albums „Santa Muerte“ (06/2011) sei Dank. Vom ursprünglichen Rotz ist allerdings nicht mehr viel übrig, stattdessen versucht sich der Fünfer an einem gewagten Spagat aus Feelgood-Punkrock, Kommerz und nachdenklich machenden Geschichten, die direkt aus dem Leben gegriffen sind.

Die Prämisse „Zusammen führen, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört“ funktioniert auf dem mittlerweile sechsten Longplayer „Noir“ jedoch nicht mehr auf Albumlänge, denn erste Ermüdungserscheinungen treten auf. Wo der Vorgänger auf Textebene noch extrem robust war und ein passendes Soundkleid spendiert bekam, greifen Sammy & Co. anno 2014 häufiger daneben, als es den Die Hard-Fans lieb sein wird. Hier geben sich in 52 Minuten nämlich keine Granaten und Instant-Liveklassiker die Klinke in die Hand, denn „Noir“ kämpft über weite Strecken ums nackte Überleben.

Die erste Singleauskoppelung „Ist da jemand?“ zeugt zwar noch von der Melodieverliebtheit der Band und versprüht ähnlich wie ein perfekt in Szene gesetzter Hollywood-Trailer die Lust auf mehr, den gleichen Wow-Effekt erzielen die fünf Herrschaften in weiterer Folge aber nur mehr sehr selten. Schuld daran sind jedoch nicht die meist in melancholischem Schmerz oder aufgeregt-fröhlicher Stimmung badenden Lyrics, sondern der mitunter furchtbar langweilige, musikalische Unterbau, der neben einer Powerballade mit U2-Anleihen („Nur nach vorne gehen“) und einem minimalistisch gehaltenen Liebeslied („Wo bist Du (Du fehlst)“), noch weitere Fehltritte wie Nelly Furtado-Beats („Ich hol dich da raus“), billige Synthies („Die Letzten (an der Bar)“), erzwungene Mitgröl-Refrains („Der Rest und Ich“) oder viel zu zaghafte Ska-Trompeten („Wo es hingeht“) zu bieten hat.

Wesentlich besser ergeht es den rockigen („Nanana (Ich krieg´ das hin)“), punkigen („Grau, grau, grau“) und poppigen Nummern („Ich brenn´), die sich auf das Wesentliche beschränken und mit weltumarmenden Melodien („Ich will hier nicht sein“), NDW-Verbundenheit („Die Hoffnung stirbt nie“) und kreativem Ska-Einsatz („Irgendwo dazwischen“) um sich werfen. Als weiterer Höhepunkt erweist sich die nachdenkliche Auseinandersetzung mit Gott und der Suche nach dem inneren Ich im vorletzten Stück „Das da oben (nur in Dir)“, wodurch die Broilers eindrucksvoll beweisen, dass unter der oberflächlichen Kommerzanbiederung noch die Musiker stecken, die vor mehr als 20 Jahren die Welt mit ihren Songs verändern wollten. Für den Großteil von „Noir“ muss man aber leider konstatieren, dass der Bandname anno 2014 mehr mit einem Brathähnchen aus der Massenfertigung zu tun hat, denn mit einer individuell agierenden, unabhängigen Truppe aus Düsseldorf.

Anspieltipps:

  • Ist da jemand?
  • Ich will hier nicht sein
  • Das da oben (nur in dir)
  • Die Hoffnung stirbt zuletzt
  • Nanana (Ich krieg´ das hin)

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