Knorkator - We Want Mohr - Cover
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Knorkator We Want Mohr


  • Label: Tubareckorz/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Schwer vorstellbar, dass es auf dieser Welt mehr als eine Handvoll Personen gibt, die diesen kunterbunten Mix ausnahmslos toll finden.

Hat noch jemand den Eindruck, dass Knorkator nach ihrer plötzlichen Trennung und raschen Wiedervereinigung nicht mehr so souverän daherkommen wie vor dieser ganzen Aufregung? Weniger als zweieinhalb Jahre lagen zwischen ihrer gut besuchten Abschiedstour und ihrer ebenso ertragreichen Comeback-Tour. Das ist natürlich in erster Linie fantastisch, weil Knorkator viel besser sind als die Soloprojekte ihrer einzelnen Mitglieder. Doch hinterlässt dieses Hin und Her, so ungeplant es sicherlich war, nicht den sympathischsten Eindruck - immerhin sind Knorkator jetzt so erfolgreich wie nie zuvor. Dazu kommt, dass die groß angekündigte Reunion-Platte „Es Werde Nicht“ (2011) für Knorkator-Verhältnisse tatsächlich fast nichts war. Wo steht diese Berliner Kult-Combo nun anno 2014? Gelingt ihr noch mal ein Album wie „Ich Hasse Musik“, auf das sich alle einigen können?

Pro: Knorkator haben sich für ihr neustes Werk ein Konzept überlegt, das ausgesprochen gut zu ihnen passt: „We Want Mohr“ ist inspiriert von Heinrich Hoffmanns allseits bekanntem Kinderbuch „Der Struwwelpeter“. Diese Anlehnung wird bereits mit dem leicht umstrittenen, weil von einigen Menschen als rassistisch verschrienen Cover-Artwork überdeutlich und blitzt im Laufe der 12 vollwertigen neuen Songs immer wieder auf. „Konrad“ (Die Geschichte vom Daumenlutscher), „Robert“ (Die Geschichte vom fliegenden Robert) und „Friederich“ (Die Geschichte vom bösen Friederich) weisen die deutlichsten Ähnlichkeiten zu Hoffmanns Vorlage auf, aber auch andere Parallelen ziehen sich durch das Album (man beachte alleine den Titel).

Kontra: Gegen einen bevorstehenden Kultstatus von „We Want Mohr“ spricht Knorkators inkonsequente Herangehensweise. Hier reiht sich simpel gehaltener Rock-Trash mit elend langen Aufzählungen („Fortschritt“) an nahezu exzellente Knorkator-Kost („L“ und „Konrad“), sauber durchdachte Texte („Ich Geb Es Auf“) an ein kaum wiederzuerkennendes Judas Priest-Cover („Breaking The Law“). Dazu kommt eine nah an der Überflüssigkeit kratzende Pop-Nummer mit weiblicher Unterstützung („Time To Rise“), die vermutlich noch bei keiner Band mit so etwas wie „Robert“ auf einem Album war - selbst bei Knorkator nicht.

Es bleibt schwer vorstellbar, dass es auf dieser Welt mehr als eine Handvoll Personen gibt, die von der fast weihnachtlichen Stimmung, die „Hymne“ mit sich bringt, ebenso fasziniert sind wie vom langweiligen, weil redundanten „Zoo“. Und selbst, wer sich auf diese beiden musikalischen Ausrichtungen einigen kann, dürfte bei „Victorious“ raus sein. Knorkators Vielfältigkeit in allen Ehren, aber genug ist auch irgendwann genug. „Leider bin ich in einer Hardcore-Band“, singt Stumpen in „L“ - tja, wenn’s mal so wäre.

Anspieltipps:

  • Konrad
  • L
  • Hymne

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