ClickClickDecker - Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles - Cover
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ClickClickDecker Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles


  • Label: Audiolith/Broken Silence
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Melancholie als Selbstzweck. Intensive Grundstimmung trifft auf musikalische Eintönigkeit.

Mit der Melancholie ist das so eine Sache. Manchmal lässt sie einen in angenehmen Erinnerungen schwelgen und weckt die positivsten aller Gefühle. Manchmal lässt sie einen aber auch längst Vergangenem nachweinen, löst Traurigkeit und Wehmut aus. Und manchmal, wenn man es mit ihr allzu sehr übertreibt, dann kann sie einem auch gehörig auf den Sack gehen. Kevin Hamann, Mastermind und Frontfigur von ClickClickDecker, darf sich seit jeher mit dem Talent rühmen, eben dieses besondere Gefühl in zugänglicher deutscher Singer/Songwriter-Kunst verarbeiten zu können. Auf „Ich glaube dir gar nichts und irgendwie doch alles“ übertreibt es der Berliner jedoch bisweilen mit der Schwermut, was seinen Fünftling ein wenig an musikalischer Eintönigkeit kränkeln lässt.

Instrumentell fährt Hamann dabei die weitestgehend gängige Genre-Schiene: Gitarrenlastige Popsongs dominieren das Album und lassen nicht wirklich viel Platz für Innovationen jedweder Art. Das ist an sich zunächst auch nicht weiter schlimm, die bekannte ClickClickDecker-Formel fördert auch im Jahr 2014 den einen oder anderen durchaus nennenswerten Track zu Tage. Etwa das ruhige „Ausbalancieren“, in dem er meist unaufgeregt und in seinen besten Momenten fast ein wenig flehend konstatiert: „Das was du immer von mir willst, das würde ich gern sein“.

Weitere gute Momente hat „Ich glaube dir gar nichts und irgendwie doch alles“ ansonsten meist dann, wenn die schwermütige Grundthematik des Albums in vergleichsweise fröhliche musikalische Metaphorik verpackt wird. „Durch die Kastanienanlagen“, „Erledigungsblockaden“ und „Was kommt wenn nichts kommen will“ funktionieren nach einem fast deckungsgleichen Schema, stehen aber allesamt für gelungene Popsongs mit einem gesunden Maß an gut verdaulichem Tiefgang. Wichtig: Wenn man Gefahr läuft, sich zu sehr an Belanglos-Pop à la Pohlmann erinnert zu fühlen, setzen ClickClickDecker eine Zäsur, indem sie das elektronische und für sich auf dieser Platte einzigartige „Myoklonien“ einschieben. Knappe zwei Minuten Abwechslung, die dem Album durchaus häufiger gut getan hätte.

Wirklich schlechte Songs sucht man auf „Ich glaube dir gar nichts...“ vergebens, die Problematik liegt stattdessen im uninspirierten Mittelmaß so manchen Tracks. „Schaumburgen und Ellipsen“ plätschert ein wenig zu sehr vor sich hin, ebenso „Im Wahljahr“. Derartige Songs mögen einzeln, die richtige Stimmung des Hörers vorausgesetzt, durchaus ein paarmal funktionieren, im Kontext des Albums bleibt jedoch nur wenig hängen. Melancholie verkommt zum musikalischen Selbstzweck.

ClickClickDeckers fünftes Album liefert Musik für spezielle Stunden. Wenn man mal wieder von Sehnsucht nach Vergangenem geplagt vor dem Kamin sitzt und sich den passenden Soundtrack wünscht. Nach drei bis vier Songs ist der Bedarf dann aber gedeckt, auf Albumlänge fehlt es dem Longplayer schlicht und einfach an Ideen und Abwechslung.

Anspieltipps:

  • Im Wahljahr
  • Ausbalancieren
  • Durch die Kastanienanlagen
  • Was kommt wenn nichts kommen will

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