Johnny Cash - Out Among The Stars - Cover
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Johnny Cash Out Among The Stars


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Weit mehr als eine Zusammenstellung mit Archiv-Charakter!

Neues Material von Johnny Cash, an dem nicht Rick Rubin beteiligt ist? Das ist dann doch ungewöhnlich. Klar gibt es immer mal wieder vergessene Aufnahmen, die in irgendeinem Archiv auftauchen, aber im Fall vom „Man in Black“ ist es bis zuletzt meist Rubin gewesen, der sich mit den Teilen fünf und sechs der „American Recordings“-Reihe um den originellen Teil des Nachlasses kümmerte. Das ändert sich nun mit „Out Among The Stars“, der allerneusten Johnny Cash-Veröffentlichung: Eingespielt vor etwa 30 Jahren stammen die zwölf „neuen“ Songs aus einer Zeit, die eine Dekade vor Cashs hochkarätigem Spätwerk lag. Es war diese Übergangsphase vor der Gründung von The Highwaymen und dem Rauswurf bei Columbia, Cash konnte nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen, dazu kam ein Aufenthalt im Betty-Ford-Center, um seine Abhängigkeit von Schmerzmitteln zu bekämpfen.

Zehn der zwölf regulären Stücke auf „Out Among The Stars“ wurden im Frühjahr 1984 aufgenommen, also kurz nach der Rückkehr aus der Entzugsklinik. Die zwei Ausnahmen, das etwas übertrieben heimelige „Tennessee“ und das Duett „Don’t You Think It’s Come Our Time“ (mit June Carter Cash), stammen dagegen vom 18. März 1981. Dass ausgerechnet diese beiden Songs nicht an den meist guten, manchmal bewundernswerten Rest von „Out Among The Stars“ heranreichen, kann als Beleg für die „spirituelle Renaissance“ gedeutet werden, die der Country-Star nach Aussage seines Sohnes John Carter Cash 1984 durchlebte. Die erste Single „She Used To Love Me A Lot“, „Baby Ride Easy“, das zweite, viel schönere Duett mit Ehefrau June, und das bittersüße „I Drove Her Out Of My Mind“ sind weit mehr als B-Seiten-Material, so wie „Out Among The Stars“ generell weit mehr ist als eine Zusammenstellung mit Archiv-Charakter.

Natürlich ist immer ein gesundes Misstrauen geboten, wenn postum Alben veröffentlicht werden - zu oft geht es dabei vordergründig ums Geld und weniger um den künstlerischen Wert. Diesem weitverbreiteten Eindruck tritt nun John Carter Cash entgegen, der die 12 vorliegenden Songs vor etwa zwei Jahren entdeckte und die an einigen Stellen nötige Nachbearbeitung veranlasste. Daran beteiligt waren unter anderem Marty Stuart, der schon in den 80er-Jahren als Gitarrist an den Aufnahmen mitwirkte, aber auch Carlene Carter, die den von ihrer Mutter im Original etwas leise eingesungenen Refrain von „Baby Ride Easy“ im Nachhinein aufgehübscht hat.

Herausgekommen ist ein Album, das anders klingt als der Johnny Cash, dem die Welt in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod andächtig lauschte. „Out Among The Stars“ ist keine gefühlvoll eingespielte Platte, in der die leisen Töne dominieren, sondern ein Country-Album - und zwar mit allen Vor- und Nachteilen. Gewiss sind die Songs nicht so cool wie Cashs „Personal Jesus“-Cover und rühren auch nicht so wie seine Version von „Hurt“. Stattdessen geht alles eher in eine traditionelle Richtung, mit Steel-Gitarre, Banjo und allem, was sonst noch so nach Nashville klingt. Das Ergebnis ist deswegen aber nicht zu schmälern, ganz im Gegenteil: Sieht man von der kitschigen Schunkel-Nummer „After All“ und der unpassenden Bonus-Version von „She Used To Love Me A Lot“ (Titel Nummer 13) ab, dann zählt „Out Among The Stars“ zu den gelungensten „verschollenen“ Alben, die es bisher so gab. Allerdings ist das Ganze eher etwas für die älteren Cash-Fans und weniger für diejenigen, die den Musiker erst in seinen letzten Jahren kennengelernt haben. Denn verglichen mit den „American Recordings“ bleibt „Out Among The Stars“ nur ein Schritt vor dem wirklich großen Schritt. Eben ein Album aus der Übergangsphase.

Anspieltipps:

  • She Used To Love Me A Lot
  • Baby Ride Easy
  • I Drove Her Out Of My Mind
  • Out Among The Stars

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