DJ Rashad - Double Cup - Cover
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DJ Rashad Double Cup


  • Label: Hyperdub/CARGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Chicagos Footwork-Sound beweist sich auf internationaler Bühne.

Chicago spielte in den USA schon immer eine wichtige Rolle für die Musikszene. Ein Großteil des amerikanischen Punkrocks findet hier seinen Ursprung, Soul- und Blues-Subgenres sind genauso nach der Stadt benannt wie Chicago-Jazz. Am weitreichendsten dürfte jedoch Chicagos Einfluss auf House sein, für den die Stadt gemeinhin als Geburtsstätte gilt. Nun, ein paar musikalische Veränderungen und ein paar Jahrzehnte später, wurde aus House, einem bereits bestehenden Trend aus hohen BPM-Werten, dicken Kickdrums sowie HipHop-Vocals und der Suche nach passender Musik zum aufstrebenden Footwork-Tanzstil, das gleichnamige Genre Footwork geboren.

An dessen Speerspitze stehen bis heute die Leute der Teklife-Crew, deren prominenteste Mitglieder DJ Spinn, DJ Rashad und RP Boo sind. Nach vielen EPs, Crew- und Genre-Compilations erscheint nun Rashads Debütalbum „Double Cup“. Dadurch, dass das neue Genre Footwork nun auch international, vor allem durch kleine spezialisierte Labels in Frankreich und Planet Mu in Großbritannien, Fuß fasst, hat sich auch der Genre-Sound diversifiziert. An Rashad und Teklife ist das nicht spurlos vorbeigegangen. Nach immer mehr internationalen DJ-Auftritten, haben sich auch in Rashads Sound auf „Double Cup“ einige externe Einflüsse eingeschlichen.

Doch eigentlich und auch deswegen ist es nicht allein Rashads Album. Abgesehen davon, dass langjährige Kollegen wie Spinn und Taso auf mehr als der Hälfte der Tracks vertreten sind, ist „Double Cup“ generell eine Ansammlung von Einflüssen. Bei „Feelin“ gelingt Rashad eine Gratwanderung zwischen klassischem Footwork-Sound und Jungle, während er sich in „I’m Too Hi“ ganz dem Grundstein des Jungle, dem Amen-Break hingibt. In „Acid Bit“ zieht Rashad den Hut vor House und Techno, und der Titeltrack wie auch „Reggie“ zollen dem Südstaaten-Sound des Trap Respekt. Weiterhin finden sich in so ziemlich jedem Track verträumte HipHop-Synthies, die typischen Rap-Vocals und entspannte Half-Time-Passagen, die Abwechslung in sonst sehr energiereichen Stücken bieten.

Die Beat-Strukturen des Footwork, denen Rashad noch mal Originalität verleiht, die dominanten Snares, die geschnittenen Vocal-Samples und tiefen Bässe, alle paaren sich wohlklingend mit den oben genannten Einflüssen und erlauben es Rashad Harden, ein Footwork-Album zu produzieren, das auf internationaler Bühne glänzt, ohne seinen Wurzeln und der Chicagoer Heimat vor den Kopf zu stoßen. So viel zu den Lorbeeren für ein Album, das sich sowohl für energetische Partys, als auch für entspannte Stoner-Runden eignet.

Dennoch hat „Double Cup“ durchaus seine Schwächen. Die meisten sind jedoch im Genre selbst zu verorten, wo das konstante Wiederholen einzelner Vocal-Samples zum Style gehört. Ehrlich, ein ständiges „Let Me Show You How“, „Pass That Shit“, „She A Go“, „OG Cali Kush“, „You’re The Only One“, „Everyday Of My Life“, „I Know You’re Leavin“ oder „I’m Too Hi“ im Ohr entnervt selbst Hartgesottene irgendwann. Wer die Zitate mit der Tracklist des Albums vergleicht, wird das Ausmaß erkennen. Da helfen auch kein Cutten und keine Distortion mehr. Nach mehrfachem Hören werden viele Tracks, vor allem „Everyday Of My Life“ und „Pass That Shit“ einfach nur nervig. Eben nicht nur die ewige Repetition, sondern auch die die fehlende Belohnung für mehrfaches Hören des gesamten Albums sind absolute Schwächen. Ein etwas kleinerer Verstolperer ist hingegen „Acid Bit“, ein an sich großartiger Track und ein Tribut an die Wurzeln des Footwork-Genres, der sich aber ansonsten gar nicht in den Flow des Albums einfügt und so ein wenig fehl am Platz wirkt.

Ansonsten ist „Double Cup“ eine gelungene Platte, um die die Clubs sicherlich keinen Bogen machen werden. Dafür sind die Bässe, die Beats und die Synths einfach zu saftig und die Tracks zu energetisch.

Anspieltipps:

  • Feelin
  • I Don’t Give A Fuck
  • Reggie
  • Acid Bit

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