Benmont Tench - You Should Be So Lucky - Cover
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Benmont Tench You Should Be So Lucky


  • Label: Blue Note/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemütliche Roots-Pop-Klänge von Tom Pettys langjährigem Begleiter.

Er ist der verlässliche, kompetente Tasten-Virtuose bei Tom Pettys Heartbreakers und bringt tatsächlich erst jetzt nach 40 Jahren als Profi-Musiker sein erstes Solo-Album beim Jazz-Label Blue Note raus. Wobei Blue Note spätestens seit dem Mega-Erfolg von Norah Jones nicht mehr nur auf Jazz setzt, sondern die Durchmischung mit Pop im weitesten Sinne sucht. So ist auch diese Veröffentlichung ein seriöser Beitrag in Sachen traditioneller Roots-Pop-Pflege geworden. Sie bietet also im wesentlichen Country, Folk und Blues mit Neigung zu eingängigen Strukturen.

Auf der Haben-Seite können hier eindeutig sechs Songs verbucht werden. Dazu gehört die Southern-Soul geprägte Nummer „Today I Took Your Picture Down“ genauso wie das mild swingende „Dogwood”. Der stramme R&B-basierte Pop-Song „Veronica Said“ bietet ideales Radio-Futter und überzeugt außerdem durch eine angenehm an The Band erinnernde Orgel. Flotten Power-Pop hört man beim titelgebenden „You Should Be So Lucky“, das auch erhebliches Hitpotential besitzt. Das nachdenkliche „Why Don't You Quit Leavin Me Alone” wurde im Randy Newman-Erzähl-Stil verfasst und weiß durch wohltemperierte Akkorde zu gefallen, genauso wie die mit dezenter Conga- und Gitarrenbegleitung versehene Ballade “Hannah”.

Etwas blass wirken dagegen das kuschelige „Blonde Girl, Blue Dress“ und das belanglose „Like The Sun (Michoacan)“. Auch die Verneigungen vor Bob Dylan (das folk-bluesige „Corrina, Corrina“ und der Western-Swing „Duquesne Whistle“) werden zu brav interpretiert und fügen deshalb den Originalen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse und Sichtweisen hinzu.

Zweimal möchte uns der Keyboarder seine Vielseitigkeit mit Augenmerk auf seine Fingerfertigkeit demonstrieren. Die Instrumentalnummern „Ecor Rouge“ und „Wobbles“ sind gut als Pausenfüller zwischen Feuilleton-Beiträgen geeignet. Sie gehen angenehm ins Ohr, wirken aber unverbindlich.

Da Benmont Tench auch ein gefragter Studio-Musiker ist, hatte er keine Mühe, solch hochkarätige Gäste wie Ringo Starr, natürlich Tom Petty, Ryan Adams sowie Gillian Welch & David Rawlings für sein Vorhaben zu gewinnen. Alle Teilnehmer verströmen unauffällige Duftmarken, spielen sich also nicht in den Vordergrund. Sie glänzen jedoch durch runde, hochmusikalische Hintergrund- oder Verzierungs-Beiträge.

Zur Hälfte gibt es auf dem Album gelungene, perfekt inszenierte Songs zu hören, die mit angenehmer, aber unauffälliger Stimme vertont wurden. Leider sind die Entwürfe der anderen Hälfte recht bieder ausgefallen. Insgesamt kann man also festhalten, dass Benmont Tench nicht das Optimum seiner Möglichkeiten umgesetzt hat. Er zeigt sich zwar wieder als hervorragender Team-Player, aber nur bedingt tauglich als innovativer Solo-Künstler. Als versierter Musiker setzt er hier zu sehr auf bewährte Strukturen, statt mit Überraschungen aufzuwarten. Leider werden deshalb insgesamt zu wenige prägende Impulse gesetzt. Es findet überwiegend eine traditionsbewusste Verwaltung der verwendeten Stile statt. Die Kompositionen sind handwerklich erstklassig, mit einem runden, harmonischen Sound umgesetzt. Aber leider wurden dabei auch einige raue Kanten, die für besonderes Prickeln sorgen könnten, glatt geschliffen.

Anspieltipps:

  • Today I Took Your Picture Down
  • Veronica Said
  • Hannah
  • You Should Be So Lucky
  • Dogwood
  • Why Don't You Quit Leavin Me Alone

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