Kampfar - Djevelmakt - Cover
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Kampfar Djevelmakt


  • Label: Indie Distribution
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Abscheulichkeit zwischen Experimenten und Traditionsbewusstsein.

Drei Jahre nach dem eher zwiespältig aufgenommenen „Mare“ melden sich die norwegischen Ekelpakete um Kampfar mit ihrem sechsten Studioalbum zurück. Gleichzeitig feiert Bandkopf und -gründer Dolk mit seiner mittlerweile zur vollwertigen Band gereiften Mannschaft das zwanzigjährige Jubiläum. Den Hörer erwartet ein abermals fieser und abgedrehter musikalischer Trip durch boreale Nadelwälder, Leichenberge und Höllenabgründe - also genau das, was er an Kampfar so mag. Dass die Band nicht mehr so wie zu Zeiten von „Mellom Skogkledde Aaser“ (1997) klingt, ist beinahe logisch und wird mittlerweile voll und ganz in Kauf genommen. Wie schafft es also Dolk, seine Anhänger zufrieden zu stellen?

Die Antwort: gar nicht und doch zu jeder Zeit. „Djevelmakt“ hätte das von den Fans gewünschte typische Kampfar-Album werden können, doch eben dies ist es nicht unbedingt in erster Linie. Dennoch entfernt man sich einige Schritte von den Vorgängern, kommt dann und wann tatsächlich dem ureigenen Sound nahe, gestaltet das Erlebnis dennoch erneut als Unikat, welches (beinahe wieder) losgelöst in der Diskographie steht. Insgesamt fungiert „Djevelmakt“ jedoch als Kompromiss für langjährige und neue Fans. Gut verdeutlicht wird dies in den experimentell angehauchten, jedoch zu jeder Zeit greifbaren und somit äußerst spannenden „Mylder“ und „Kujon“, welche besonders gegen Ende regelrecht explodieren. Trademarks wie das klar Kampfar zuzuordnende prägnante Riffing oder die nordische Unterkühlung treffen auf stellenweise hymnenhaft anmutende Eingängigkeit. Das folgende „Blod, Eder Og Galle“ erinnert an die zuletzt noch sehr folkige Ausrichtung, macht aber nach dem lieblichen Intro schnell einen Strich durch die Rechnung, um sich als bitterböser Klopper durch die Gehörgänge zu fressen. Mit dem disharmonischen, unheimlichen „Fortapelse“ und dem groovenden „Svarte Sjellers Salme“ bekommt der Hörer ebenbürtige Zerstörungsorgien vorgesetzt, welche eingängig genug sind, um den Moshpit im Underground-Club binnen kürzester Zeit randvoll zu füllen.

„De Dødes Fane“ schließlich verzaubert mit gespenstischen Einsprengseln hypnotischer Heidenfolklore, die durch die äußerste Brutalität der Komposition ihr jähes Ende finden. Hier klingen Kampfar vielleicht am meisten nach Kampfar und zelebrieren musikalischen Wahnsinn par excellence. Ebenfalls total wahnsinnig und doch das komplette Gegenteil ist das dann stampfende, abgründige „Swarm Norvegicus“, welches in seiner Behäbig- und Zähflüssigkeit in den Strophen bislang einmalig für die Band ist und sicherlich zu ihren düstersten Tracks überhaupt gezählt werden darf. Bevor der Song seinen pompösen Höhepunkt erreicht, muss der Hörer eine Boshaftig- und Widerwärtigkeit ertragen, die selbst auf dem insgesamt recht fiesen „Djevelmakt“ vollkommen alleine steht. Das Schlusslicht „Our Hounds, Our Legion“ lässt das Album letztendlich versöhnlich, weil ziemlich nahe an der reinen Kampfar-Idee, ausklingen und bietet einen rüpelhaften, jedoch hängenbleibenden und äußerst modernen Pagan Metal. Es handelt sich nebenbei um die einzige Nummer, die auf Englisch präsentiert wird.

Alles in allem ist „Djevemakt“ die gewünschte Berufung auf liebgewonnene Elemente der Norweger geworden. Äußerst stilsicher macht die Band das, was sie einst groß gemacht hat und zeigt keine Scheu, sich den Hardlinern unter den Fans zu stellen. Viele kleine Nuancen, Einfälle und Kniffe werden organisch mit traditioneller Härte und Melodik verbunden, was dem Album sogar weitaus mehr Abwechslung als den großen Klassikern in der eigenen Diskographie beschert. Gerade in der Hinsicht setzt sich „Djevelmakt“ ab, auch wenn es gefühlt sicherlich nicht die beste Scheibe ist, die die Gruppe aus Bergen bislang eingespielt hat. Und doch sollten traditionsbewusste Anhänger und frisch Rekrutierte gleichermaßen überzeugt sein. Den Sonderpreis für den ekelhaftesten, gemeinsten Genrebeitrag haben Kampfar im Jahre 2014 wahrscheinlich sowieso sicher.

Anspieltipps:

  • Kujon
  • Blod, Eder Og Galle
  • Swarm Norvegicus
  • De Dødes Fane
  • Our Hounds, Our Legion

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