Crematory - Antiserum - Cover
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Crematory Antiserum


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Party like it´s 2004! Crematory auf dem schmalen Grat zwischen Ausverkauf und „Revolution”.

„In Zusammenarbeit mit Elmar Schmidt von der Hamburger EBM-Band Centhron ist uns eine packende Mischung aus Metal-Brett und EBM-Keyboards gelungen. Ich würde deshalb die Marschrichtung auf „Antiserum“ als EBM-Metal bezeichnen.“ Eigentlich ist es nur konsequent, dass Gerhard Stass (Gesang), Matthias Hechler (Gitarre), Harald Heine (Bass), Katrin Goger (Keyboard) und Markus Jüllich (Schlagzeug) ihr 12. Studioalbum vorrangig mit elektronischen Rhythmen verstärken, anstatt die mit „Pray“ (02/2008) eingeschlagene Rückkehr zu den Wurzeln weiter zu verfolgen. Schließlich handelt es sich bei „Antiserum“ um eine Platte, auf die Fans vier Jahre lang warten mussten. Solch eine kreative Pause ist in der Geschichte der Band bislang nur einmal zum Tragen gekommen und zwar nach der Veröffentlichung des 2000er Werkes „Believe“. Crematory trennten sich damals sogar für zwei Jahre und kehrten mit dem ähnlich stark elektronisch angehauchten „Revolution“ (05/2004) zurück, das viele Anhänger schwer schlucken ließ.

Kommerzgeilheit und Ausverkauf wurde der Band daraufhin vorgeworfen. Kritik, die beim neuesten Werk auf ein Neues entfachen könnte, vertraut man einzig und allein auf die Aussage des Fünfers: „Wir waren diesmal noch mutiger als 2004. Noch stärker als damals haben wir mit unterschiedlichen Instrumentierungen gespielt und, wie ich finde, geschickt echte Schlagzeug-Parts mit elektronischen Patterns verbunden.“ Führt man sich jedoch die einzelnen Songs zu Gemüte und bewertet diese vorurteilsfrei, dann könnte „Antiserum“ schnell in der Gunst steigen, schaffen es Stass & Co immerhin nach über 20 Jahren im Musikgeschäft, frischen Wind in ihre Diskographie zu bringen. Natürlich sind peinliche Schlagerrefrains („If you believe“), flache Dudelbeats („Inside your eyes“), langwierige Stimmungsgebilde („Antiserum“) oder handzahme Reißbrettkompositionen („Welcome“, „Kommt näher“) kein Qualitätsmerkmal und schüren den Unmut gegenüber der neuen Marschrichtung, allerdings lassen Crematory die Nadel ebenso stark in den positiven Bereich ausschlagen und sorgen immer wieder für intensive Momente.

Der erste offenbart sich schon zu Beginn der Platte als kleiner Geniestreich, wenn sich die Melodie des eigentlich recht unauffälligen Intros „Apocalyptic vision“ in „Until the end“ zu einem ausgewachsenen Song entfaltet und sofort einen Platz im Ohrwurmsektor einnimmt. Die erste Single „Shadowmaker“ gesellt sich mit ihrem treibenden Rhythmus im Anschluss gleich dazu und wenn „Virus“ als dicker Elektro-Stampfer mit Grunzlauten seine Aufwartung macht, bewegt sich nicht nur mehr ausschließlich der Kopf im Takt. Dazwischen greifen Crematory mit dem verletzlichen Gothic Metal-Track „Irony of fate“ auf eine gelungene Paradise Lost-Atmosphäre zurück und „Back from the dead“ erweist sich als stimmige Mischung aus Melodic Death Metal (Refrain) und EBM-Tanzbarkeit (Strophe). Die Idee hinter „Antiserum“, eine „homogene Verschmelzung vermeintlich gegenläufiger Musikrichtungen“ anzubieten, ist somit zu großen Teilen geglückt, jedoch sollte man keinesfalls eine Revolution im herkömmlichen Sinn erwarten, denn dafür ist das gebotene Material in a wie Scar Symmetry oder The Browning wesentlich frechere Stilfusionen betreiben, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Anspieltipps:

  • Virus
  • Irony Of Fate
  • Shadowmaker

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