Bombay Bicycle Club - So Long, See You Tomorrow - Cover
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Bombay Bicycle Club So Long, See You Tomorrow


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„So Long, See You Tomorrow” ist ein gutes Album mit Ecken und Kanten, an denen man sich stößt, ja vermutlich sogar stoßen soll.

Zwei Infos schallen zurzeit jedem entgegen, der sich mit Bombay Bicycle Club befasst. Erstens: Die Band hat sich noch nie so viel Zeit für ein Album gelassen, wie für ihr neustes (immerhin ganze zweieinhalb Jahre, was aber immer noch recht flott ist). Und zweitens: Das hat alles etwas länger gedauert, weil Jack Steadman, der Sänger von Bombay Bicycle Club, im Urlaub war. Nun ist auch diese Neuigkeit prinzipiell kaum einen Nebensatz wert, hätte Steadmans Reiselust nicht deutlich auf den Sound des vierten Studioalbums seiner Band abgefärbt. Natürlich hören wir, was wir hören wollen, vor allem mit einer Entstehungsgeschichte wie dieser im Hinterkopf, aber in diesem Maße weltoffen und weitläufig klangen die vier Briten zuvor selten. Ob das nun direkt auf Einflüsse aus den türkischen, japanischen und indischen Urlaubszielen zurückzuführen ist, sei mal dahingestellt, ergibt aber so wenigstens ein schlüssiges Gesamtbild, an dem wir uns festhalten können.

Bombay Bicycle Club waren noch nie etwas für die klassische Indie-Disco, eher für die Zeit danach, für den Heimweg im Bus oder einen Spaziergang durch die Nacht. Selbst als sie auf ihrem Debüt „I Had The Blues But I Shook Them Loose” (2009) noch mehr nach Indie-Rock klangen, waren ihre Songs nur bedingt tanzbar, jedenfalls im Vergleich zu denen der Arctic Monkeys, der Fratellis oder der Wombats. Jack Steadman rief schon immer eher die ruhige, melancholische Seite in uns hervor, woran sich bis heute nichts geändert hat. „So Long, See You Tomorrow” beginnt beinahe erhaben, vor allem aber ein Stück weit pathetisch und hört sich dabei an, als sei es tatsächlich in Mumbai (ehemals Bombay) entstanden. So stark wie „Overdone“ dieses neue Bombay Bicycle Club-Album eröffnet, geht es auch weiter, und zwar namentlich mit dem unheimlich markanten „It’s Alright Now“ und der ersten Single „Carry Me“, die vor allem durch ihren Electro-Pop-Stich im Gedächtnis bleibt.

Es ist erstaunlich, wie Bombay Bicycle Club ständig zwischen ihrer zaghaften Seite und ihrem merkbaren Drang nach einem breiten Sound schwanken. „Home By Now“ (feat. Lucy Rose) rührt eher zu Tränen als dass es zum Tanzen einlädt, und ist trotzdem der schönste Song auf „So Long, See You Tomorrow”. „Feel“ will dagegen vor allem zur Bewegung animieren, nutzt dazu sogar orientalische Klänge und scheitert dennoch beim Refrain grandios. Selten hat etwas aus der Feder dieser Band so genervt. Auch „Whenever, Wherever“ (Achtung: kein Shakira-Cover) ist verhältnismäßig belanglos, die zweite Single „Luna“, eine von drei Kooperationen mit Rae Morris, könnte dagegen kaum besser sein. Sollte es je ein Bombay Bicycle Club-Best-of geben, „Luna“ wird seinen Platz darauf nie wieder verlieren.

Im Endeffekt ist „So Long, See You Tomorrow” ein gutes Album mit Ecken und Kanten, an denen man sich stößt, ja vermutlich sogar stoßen soll. Dass nicht alles große Kunst sein kann, ist verständlich, aber irgendwie wäre am Ende doch mehr drin gewesen. „So Long, See You Tomorrow” ist keine von diesen Platten, bei der man heimlich an seinem Geschmack zweifelt, wenn sie einem nicht gefällt. Aber es sind zehn Songs, die gute Chancen haben, später rückblickend mal als richtiger Schritt auf dem Weg zu etwas noch Größerem charakterisiert zu werden. Drücken wir die Daumen.

Anspieltipps:

  • Home By Now
  • Luna
  • Overdone

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