Rainer Von Vielen - Erden - Cover
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Rainer Von Vielen Erden


  • Label: Motor Entertainment
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Jo, krass, fett, wie geil ist das denn?!“ Nicht.

„Großer Bla erleuchte mich“, schallt es beschwörend aus den Boxen. Den Nagel auf den Kopf getroffen, denn irgendwie wünscht man sich nach den 14 Tracks von „Erden“ genau das: Erleuchtung. Erleuchtung über das, was Rainer Hartmann alias Rainer von Vielen uns mit seinen Songs mitteilen möchte. Inhaltlich und musikalisch.

„Ich muss mich endlich wieder erden“, sieht der Allgäuer im Titeltrack ein. Vielleicht stimmt das. Es ist nicht zu leugnen, dass die Vielstimmigkeit und der relativ kompromisslose Stilmix, den er auch auf „Erden“ auffährt, eine gewisse Faszination ausstrahlen und unter seinen Fans zu Recht Kult sind. Man kommt jedoch nicht drum herum, diesen Vorhang der scheinbaren Kreativität, dieses wohl kalkulierten Wahnsinns, zu heben und dahinter nach musikalischen Qualitäten zu suchen.

Hier liegt das Problem. Dreht der 36-Jährige völlig ab und mixt diverse Genres mit Stimmenpotpourri und Multiinstrumentalisierung, begeistert das bis zu einem gewissen Punkt durchaus, etwa im leicht poppigen „Empört Euch!“ oder dem mit herrlichem Gepfeife angereicherten „Kater komm“. Entscheidet er sich jedoch für eine Stilrichtung, stößt er schnell an seine songwriterischen Grenzen. Songs wie „Wellenlänge“ oder „Wenn du mich nur lässt“ kommen als relativ belanglose Popsongs daher, nur dass man sie so oder so ähnlich schon hundertmal besser gehört hat.

Den auf den Vorgängeralben allgegenwärtigen Sinn für Humor, das Augenzwinkern, das seiner Musik nicht erst seit der Neuinterpretation von Sidos Ghetto-Ode „Mein Block“ immer innewohnte, kommt auf „Erden“ ebenfalls deutlich zu kurz. Durchaus spaßig allenfalls: „Copy Paste Copy Paste Copy Paste, muss ich das tun oder hab ich die Wahl.“ Pseudo-Rap mit einer ordentlichen Portion Ironie. Gefällt.

Rainer von Vielen macht eine Art Musik, die gezwungenermaßen polarisiert. Zu gewollt ist der wahnwitzige Stilmix, zu dünn das songwriterische Fundament, auf dem der ganze Terz fußt. Dennoch erfreut sich der Kemptener nicht nur in alpennahen Gefilden der Republik großer Beliebtheit und das hat durchaus seine gewisse Berechtigung, denn auch auf „Erden“ traut er sich einiges und bringt textlich die eine oder andere Pointe an den Mann. Vor diesem Hintergrund kann man dann auch mal über die musikalischen Mängel hinwegsehen. Jedoch gilt wie so oft: „Nicht alles was man kann, nicht alles was man kann, nicht alles was man kann... muss man.“

Anspieltipps:

  • Empört Euch!
  • Kater komm
  • Erden

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