The Deep Dark Woods - Jubilee - Cover
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The Deep Dark Woods Jubilee


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Psychedelic-Westcoast-Americana oder Cosmic American Music? Erlesene melancholische Wehmutsweisen aus Kanada!

Zu den aktuell besten Americana-Acts zählen zweifellos The Deep Dark Woods, die im Jahr 2006 ihr Debütalbum veröffentlichten. Bereits im darauffolgenden Jahr erschien der Nachfolger „Hang Me, Oh Hang Me“ (2007) und 2009 schließlich „Winter Hours“. Erst 2012 erreichten sie mit „The Place I Left Behind“ den vorläufigen Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens und den Durchbruch in ihrer Heimat. Wie sehr die Szene die Kanadier schätzt, wird anhand von Jonathan Wilson deutlich, der nun das vorliegende „Jubilee“ produziert hat und selbst ein Singer/Songwriter allererster Güte ist. Wilson hat mit „Gentle Spirit“ und „Fanfare“ zwei außergewöhnliche und hervorragende Psychedelic-Westcoast-Americana-Alben inszeniert und nun Einfluss auf die neue Platte von The Deep Dark Woods genommen.

Bisher waren die Kanadier vornehmlich wegen ihres Spiels mit diversen Saiten den Americana-Liebhabern ans Herz gewachsen, auf „Jubilee“ erweitern sie ihr Spektrum mit Keyboards und Soundscapes, die auch auf Produzent Jonathan Wilson zurückzuführen sind. Geblieben sind die wehmütigen und melancholischen Stimmungen, die bisher ihre Songs auszeichneten. Ryan Boldt ist nach wie vor der hauptsächliche Songschreiber, Chris Mason hat dieses Mal drei Kompositionen beigetragen. Die beiden sind zudem für Gesang, Gitarren und Bass zuständig. Geoff Hilhorst greift in alles was Tasten hat, Lucas Goetz singt, spielt Pedal Steel, Schlagzeug sowie Percussion und Clayton Linthicum greift in Gitarren- und Autoharpsaiten.

Der Auftakt „Miles And Miles“ klingt, als hätten sich die Papercuts im Americana-Genre verirrt. In „18th Of December“ und „Red Red Rose“ kehren sie eine Stimmung, die Richtung The Band zielt, hervor. Mit „Picture On My Wall“ und „Gonna Have A Jubilee“ spielen sie steinerweichende Balladen, bei denen Gesang, Akustikgitarre, Orgel und Piano die Hauptrollen übernehmen. An Gram Parsons gemahnende Herzensbrecher sind das, die in dieser Qualität nur wenige vorweisen können. Wolkenverhangen, verschleppt, andächtig und psychedelisch vernebelt erklingt „Pacing The Room“, dagegen weint „East St. Louis“ Pedal Steel-Tränen.

In „A Voice Is Calling“ und „I Took To Whoring“ schweben die „Harvest“-Geister Neil Youngs, Garth-Hudson-Gedächtnis-Orgeln und quecksilbrige Grateful Dead-Licks auf einer sonnengelben Wolke. „It’s Been A Long Time“ ist pure Andacht, die „Bourbon Street“ nehmen sie leichtfüßig. Als weh- und demütige Bitte wird „The Beater“ vorgetragen und „The Same Thing“ ist ein zehneinhalbminütiges Wegdriften, ein langes Fadeout, ein Klangorakel, das ebenso rhythmische wie melodische Schönheit entfaltet.

The Deep Dark Woods sind wahre Meister in Sachen Wehmut, Sehnsucht und Melancholie. Sie sind in der Lage, vergangene Sounds von Grateful Dead, Gram Parsons, Fairport Convention, The Byrds oder Neil Young wachzurufen, entgehen jedoch der Nostalgie und Reproduktion, indem sie eine zeitlose Frische an den Tag legen, die auch Produzent Jonathan Wilson geschuldet ist, der zudem einen psychedelischen Schleier über die Lieder gelegt hat. Produktion, Komposition und Vortrag bilden hier eine Einheit, die „Jubilee“ über das Mittelmaß hinaushebt und eine besondere, beinahe neue Art der Cosmic American Music kreiert.

Anspieltipps:

  • Picture On My Wall
  • Pacing The Room
  • I Took To Whoring
  • It’s Been A Long Time
  • The Same Thing

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