Mat Zo - Damage Control - Cover
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Mat Zo Damage Control


  • Label: Anjunabeats/Rough Trade
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

An der Grenze zu gesichtslosem Stadion-Elektro und interessantem Ausprobieren.

Matan Zohar, kurz Mat Zo, kann mit 23 Jahren schon einiges an Erfahrung vorweisen. Als 16-Jähriger veröffentlichte er seine erste Single, die ihn fürs erste im Trance-Genre verankern sollte. Vor vier Jahren begann er zudem, unter seinem MRSA-Pseudonym nebenher Drum & Bass Tracks auf Hospital Records zu veröffentlichen, was ihn 2010 endgültig ins Rampenlicht setzen sollte. Nicht unwesentlich war dabei allerdings auch die Unterstützung mehrerer alteingesessener Zeitgenossen, die in ihm einen vielversprechenden Produzenten sahen.

Matans Herkunft hat seiner Musik mehrerlei Eindrücken ausgesetzt. Mit elf Jahren zog seine Familie ins englische Kulturzentrum London, die Familie ist selbst künstlerisch aktiv. Das sich dann auch der Sprössling des Malers Israel Zohar mal austoben will, ist nicht verwunderlich. Der orientalische Gesang im Intro von „Damage Control“ verankert den Sound seines Debütalbums auch direkt im Ozean seiner vielen Einflüsse.

Leider scheint das Intro sonst keinen Zweck zu erfüllen und wirkt ein wenig ziellos gegenüber dem sehr geradlinigen zweiten Track „Only For You“, dessen langgezogene Synthies sich wunderbar mit Rachel K. Colliers Vocals paaren. Das Stück ist zwar unterhaltsam, folgt aber einer allzu bekannten und berechenbaren Formel, die sich im Verlauf des Albums deutlich zu häufig wiederfindet. Auch „Easy“, bei dessen Produktion Porter Robinson, seines Zeichens Stadion-DJ, mitgewirkt hat, ist in Sachen Song-Progression allzu berechenbar. Über Wasser gehalten wird er dafür von Mat Zos charakteristischen Synthies. Drops, 128-BPM-Beat und Melodie wirken hingegen schnell fad.

Die Fortsetzung „EZ“ ist mit gedämpften Vocals und melancholischeren Synthies ein viel spannenderer Ansatz. Ähnlich „Caller ID“, das mit langsamem Tempo, aber schnellen Snare-Schlägen anfängt, und mit einsetzenden, künstlichen Sithern noch interessanter wird. Dafür vergeigt es Mat Zo zwischendurch wieder mit irgendwelchen Elektro-House-Tracks wie „Pyramid Scheme“ oder eben „Easy“, wo eigentlich nur die ruhigen Halftime-Passagen und die Synthies verhindern, dass die Stücke zu gesichtslosem Stadion-Elektro verkommen. Die Produktionen sind makellos, aber musikalisch liegen Mat Zos Stärken auf „Damage Control“ eben doch in den Liedern, die seine charakteristisch verträumten und atmosphärischen Synthies hervorheben, wie es auch bei „The Sky“ der Fall ist. Die Ausnahme der Regel bildet „Lucid Dreams“, das eine wunderbare Abwechslung zwischen glitzernden Vocals und Drops wie Schluckauf bietet.

Genauso interessant, aber in sich leider sehr eintönig, sind die zahlreichen kleinen Experimente, die Mat Zo am Laufen hat. Mit instrumentellem HipHop in „Moderate Stimulation“, poppigen Vocals, Dubstep-Elementen, French Touch (u.a. „Time Dilation“) und einem HipHop-Alben ähnlichen Aufbau mit minutenlangen Interludes, ist einiges dabei. Zwar bringen diese Dinge Abwechslung und Originalität aufs Album, brechen aber nie aus den Grenzen aus, die sich Mat Zo selbst gesetzt hat. „Damage Control“ ist ein klares Dance- und Elektro-Werk und will auch nicht mehr sein. Vielen, enttäuscht von eher halbherzigen Versuchen anderer, dieses Jahr dasselbe auf Albumlänge zu tun, gefällt das. Anderen greift das angesichts ebenso vieler guter, experimentierfreudiger Veröffentlichungen zu kurz.

Anspieltipps:

  • The Sky
  • Lucid Dreams
  • EZ
  • Time Dilation

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