Gabriella Cilmi - The Sting - Cover
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Gabriella Cilmi The Sting


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein schwerer Drahtseilakt zwischen jugendlichem Popstar und erwachsener Künstlerin.

Geschichten, die das Leben schreibt. Heute: Die Ups & Downs eines Popstars. In der Hauptrolle: Die Australierin Gabriella Cilmi, 22 Jahre jung und ausgesprochen hübsch. Gleich ihr Debütalbum „Lessons To Be Learned“ aus dem Jahr 2008 enthielt mit dem Song „Sweet about me” einen echten Knallerhit, der die damals 17-Jährige aus dem Stand in den Pop-Himmel beförderte. Doch schon mit ihrem zweiten Longplayer „Ten“ (06/2010) zeigte die Erfolgskurve nach unten. Auf Anraten ihrer Plattenfirma verwandelte sich Gabriella Cilmi damals in einen Lady-Gaga-Abklatsch mit stumpfen Dance-Pop-Songs und erhofft verkaufsfördernden Nacktbildern in einem Männermagazin.

Heute wissen wir: Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen. Die Platte war ein Flop und Gabriella Cilmi hat die Konsequenzen daraus gezogen. Sie hat sich von ihrem Label Island Records und ihrem Management getrennt. Und weil die Australierin gerade so schön in Fahrt war, mussten auch ihre Beziehung und ihre schönen langen Haare dran glauben. Damit standen wirklich alle Zeichen auf Neuanfang. Doch so ganz hat die erst 22-Jährige noch nicht vergessen, was in den vergangenen vier Jahren passiert ist. Und so stellt ihr neues Album „The Sting“ in erster Linie ein musikalisches Vehikel dar, um all die negativen Dinge der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Das Songwriting dazu nahm sie zusammen mit ihrer Live-Band erstmalig selbst in die Hand, produziert von dem Briten Eliot James (Two Door Cinema Club, Kaiser Chiefs, Noah And The Whale, The Futureheads). Das über Pledge Music finanzierte Album erscheint in Cilmis eigenem Verlag Sweetness Tunes und wird weltweit an verschiedene Labels lizenziert. Damit erreicht Gabriella Cilmi maximale Eigenständigkeit, die sich auch in ihrer Musik äußert, die auf „The Sting“ weder etwas mit dem süßen Teen-Pop des Debüts, noch mit dem Dance-Pop des Zweitwerks zu tun hat.

„The Sting“ ist ein überwiegend relaxtes und doch sehr ernst wirkendes Werk. Es wird von souligen Popsongs („Kill ourselves”, „Symmetry”, „Left with someone else”) und TripHop-inspirierten Stücken dominiert („Highway“, „Not sorry“, „Parallel universe”). In Verbindung mit Gabriella Cilmis tiefer und rauchiger, an Macy Gray gemahnender Stimme („Sweeter in history“, „I am just a girl“, „Deep water”), entwickelt sich daraus eine düstere Grundstimmung, die „The Sting“ nicht gerade zu einem Gute-Laune-Album macht.

Als Hörer ist zu spüren, dass Gabriella Cilmi dieses Album als eine Art Selbsttherapie benutzt hat. Doch auch das macht es dem Konsumenten nicht unbedingt leichter, den getragenen Stücken und der gedrückten Laune zu folgen, zumal die Songs nur selten eine wirkliche Tiefe erreichen, die den verarbeiteten Gefühlen ebenbürtig ist. Und so verliert Gabriella Cilmi am Ende den Drahtseilakt zwischen jugendlichem Popstar und erwachsener Künstlerin, wobei „The Sting“ durchaus als ein Schritt in die richtige Richtung gewertet werden kann.

Anspieltipps:

  • Highway
  • Symmetry
  • Every memory
  • Sweeter in history
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