Die Nerven - Fun - Cover
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Die Nerven Fun


  • Label: This Charming Man/CARGO
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf die Nerven geht dieses Album nur, wenn man sich nach Sonnenschein und guter Laune sehnt.

Wehe es trägt jemand farbige Klamotten zum nächsten Konzert. Wo „Fun“ draufsteht, muss nicht auch noch gute Laune mitgebracht werden. Das ist Gesellschaftskritik. Die Nerven scheinen frustriert und sind unzufrieden mit dem System. Das wird wie vor 30 Jahren schon mit krachender Musik und dem den Deutschen eigenen Impressions-Punk mehr oder minder deutlich gemacht. Von fehlender Kontrolle, gesellschaftlichem Druck und Kampfgeist gegen die Hoffnungslosigkeit scheint das Album erzählen zu wollen, ohne diese Dinge je beim Namen zu nennen. Solche Textgerüste kennt man auch von größeren Punk-Bands wie Turbostaat, wobei die Gruppe aus Norddeutschland dafür Poesie freien Lauf lässt.

Selbst die im vergangenen Jahr von einigen wild gefeierte Combo Love A gibt bei allem Hang zu verworrenen und eher geschrienen Lyrics bildhafte Beschreibungen aller Art nie auf. Die Nerven hingegen können selten starke Bilder mit ihren Texten erschaffen. Manchmal bleiben Gefühle der Xenophobie und Einsamkeit hängen, doch viel zu selten tragen die Tracks eigene Emotionen, die vom frustriert wütenden Klang der Instrumente ablenken. Um sich die Unzufriedenheit von der Seele zu schütteln, ist die Musik der Band in erster Linie gemacht. Ohne Ausnahme sind die Lieder auf Krach und Geschwindigkeit aus, was den Raum für Botschaften und Inhalte zwischen den Zeilen meistens stark einschränkt. Besonders deutlich wird dies, wenn „Nie Wieder Scheitern“ dem Gesang tatsächlich ein wenig Platz schafft und Thematik wie Textpassagen aktiv ihren Weg zum Hörer finden.

Auch das kann allerdings nichts daran ändern, dass Die Nerven in erster Linie einer Form von Punkmusik frönen, die nicht mehr aktuell scheint. Die Musik ist wie eine blasse Erinnerung an Punk-Helden von einst, die heute in erster Linie über ihre Musik bestehen, da die Problematiken sich entwickeln und nicht immer mit den gleichen Parolen und Forderungen zu lösen sind. Damit macht sich die Band inhaltlich wie musikalisch obsolet, bevor ihre Musik richtig ins Rollen kommt. Für den geistlosen, aber schmetternden Abend ist „Fun“ Medizin in Tonform, die verspricht, was sie hält. Die Wirkung dieser Musik ist allerdings temporär und damit alles andere als zeitlos.

Anspieltipps:

  • Nie Wieder Scheitern
  • Ich Erwarte Nichts Mehr
  • Albtraum

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