Joe Nolan - Tornado - Cover
Große Ansicht

Joe Nolan Tornado


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein neuer Stern am CanAmericana-Himmel: Joe Nolan präsentiert eine schlüssige eindringlich-melancholische Songauswahl.

Wehmütige Töne nehmen den Hörer gleich zu Beginn des Albums in Empfang. „I Know The Difference“ klingt nach Schmerz, ohne rührselig zu sein. Das wird trotz sanfter Streicherbeigabe durch eine trotzige Rhythmusbegleitung verhindert. Das melodramatische Element wird im folgenden „Autumn Sky“ noch durch eigentümliche Falsett-Gesangs-Einlagen gesteigert. Aber auch dieser Effekt wirkt nicht aufgesetzt oder überzogen, sondern zeugt von echter Sensibilität. Seine Darbietungen bleiben auch im weiteren Verlauf überwiegend introvertiert. Formal erinnert diese Herangehensweise an das „Heartbreaker“-Album von Ryan Adams. Nur in „Tightrope Dancer“ lockt ihn die energische elektrische Gitarre etwas aus der Reserve.

Joe Nolan ist ein erst 21-jähriger kanadischer Songwriter, der seine zweite Veröffentlichung präsentiert und schon wie ein erfahrener, mit allen Wassern gewaschener alter Hase klingt. Wobei er keineswegs gängigen Regeln folgt, sondern gekonnt zwischen sehnsuchtsvoller und raubeiniger Ballade hin und her jongliert. Die Assoziationen reichen gesanglich von Mark Knopfler über Lyle Lovett bis zu Joe Henry. Die Aufnahmen wurden von Colin Linden betreut. Der Gitarrist, Songwriter, Sänger und Produzent ist Mitglied der Formation Blackie & The Rodeo Kings und auch durch Solo-Alben mindestens unter Insidern der kanadischen Roots-Music-Szene bekannt und beliebt. Hier unterstützt er famos und wandlungsfähig an der elektrischen Gitarre und hat für den warmen, ausgeglichenen Klang gesorgt. Die Begleitung besteht außerdem noch aus Keyboards, Bass, Drums, Backing-Vocals und wenigen Streicher-Arrangements.

Daraus wird ein Gerüst gebastelt, welches Joe Nolans emotionale Befindlichkeiten souverän unterstützt. Er drückt seine Gefühle bildhaft und abgeklärt aus. Seine klagend-flehende Stimme ist dabei das ideale Medium für die Übermittlung der eher dunklen Momente im Leben. Obwohl sich eine traurige Grundstimmung durch das Album zieht, hat die Musik letztlich etwas Tröstendes. Sie signalisiert: Du bist nicht allein mit deinem Kummer, deinen Zweifeln und anderer Seelenpein.

Die Songs werden überzeugend und einfallsreich interpretiert und arrangiert. Es entsteht ein in sich geschlossener, einheitlicher Gesamteindruck. Die Songqualität ist durchweg auf sehr hohem Niveau. Die Attraktivität des Werkes wächst mit jedem Hören, da musikalisch viele kleine Leckereien zu entdecken sind. So wie die geschmackvollen, dezenten Streicher in „I Know The Difference“ und „Shambles“. Oder die flirrend-singenden Gitarren bei „Did Someone Call The Cops“ und „My Sweet Forever“.

Joe Nolan hat in dieser Form noch eine große Karriere vor sich. „Tornado“ zeigt viel Potential und wird inbrünstig umgesetzt. Die Songs haben die gleiche Intensität wie die eines Elliott Smith, sie werden nur mit anderen Mitteln realisiert.

Anspieltipps:

  • I Know The Difference
  • The Pawnshop
  • Tightrope Dancer
  • My Sweet Forever
  • Massey Hall

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8.5/10

Rough And Rowdy Ways
  • 2020    
Diskutiere über „Joe Nolan“
comments powered by Disqus