Periphery - Clear EP - Cover
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Periphery Clear EP


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 30 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Drei Instrumentals, zwei Knaller, zwei Baustellen. – Sollte man von der Speerspitze eines Subgenres eigentlich nicht mehr erwarten können?

„Obwohl oder gerade weil sie in ein Zeitalter geboren wurden, in dem häufig musikalische Durchschnittlichkeit und nach Berühmtheit lechzende Heuchler die Szene demontierten, konnten sich Periphery schnell an die Spitze kämpfen, mit ihrer Leidenschaft für einzigartige künstlerische Fertigkeit, musikalisches Können und Melodie.“ Wir haben es verstanden! Periphery sind eine vor Ideen sprudelnde, ja regelrecht unaufhaltsame Kreativitätsmaschine, die den Göttern, Himmel und allen anderen kreationistischen Geschöpfen da draußen sei Dank, den Djent salonfähig gemacht und progressivem Metal einen Arschtritt verpasst haben, den dieser ziemlich nötig hatte.

Wieso nach dem fulminanten Erstling Periphery (04/2010) das sukzessive Werk „Periphery II: This Time It´s Personal“ (07/2012) jedoch nur mehr ein Schatten des großartigen, vor unzähligen Facetten und Details strotzenden Debüts war, blieb für viele ein Rätsel. Das dürften sich wohl auch Sänger Spencer Sotelo und seine Rasselbande Misha Mansoor (Gitarre), Jake Bowen (Gitarre), Mark Holcomb (Gitarre), Adam Getgood (Bass) und Matt Halpern (Schlagzeug) gedacht haben, die nun mit einem halbstündigen Nachschlag in Form der „Clear EP“ beweisen möchten, welche energiegeladenen Kompositionen sie noch in petto haben. Nun ja, zumindest hielten es Periphery wohl für eine gute Idee, denn wirklich herausragendes Potential bescheinigt der 30 Minuten lange Trip keineswegs.

Das beginnt bereits mit der verspielten, klavierbetonten „Overture“, die durchaus dramatisches Potential birgt, unterm Strich aber eben nicht mehr ist als eine Einleitung. Die erste richtige Nummer, der anschließende „Summer jam“, verschlimmert die Lage jedoch zusehends, da sich das Stück nicht entscheiden kann, ob es laut, leise, aggressiv oder zärtlich mit seinen Puzzleteilen umgehen will und kurzerhand einfach nach allen Seiten ausbricht. „Feed the ground“ schafft es dann, die Szenerie als unkontrollierbare Bestie zu beschwichtigen, selbst wenn der Hörer zuerst nicht mitbekommt, wie ihm geschieht. Alles fliegt einem um die Ohren, angefangen vom mitreißend-phrenetischen Trommelrhythmus im Refrain, über die protzige, bis zum Anschlag aufgedrehte Riffwand, hin zum unwiderstehlichen Fluss des Textes, der inmitten des Chaos nach Harmonie und Versöhnung schreit.

Blöderweise folgt darauf ein nettes, aber in gleichem Maße auch nichtssagendes Instrumental („Zero“), während Periphery in „The parade of ashes“ die elektronischen Spielereien von Linkin Park der jüngeren Vergangenheit (Strophe) mit der Melodieverliebtheit von Emo Rock der Marke Fall Out Boy (Refrain) kollidieren lassen und daraus einen gewöhnungsbedürftigen, aber dennoch mitreißenden Cocktail zaubern, was über die dritte Djent-Session ohne Gesang namens „Extraneous“ nicht gesagt werden kann. Wen Periphery auf einer 30 Minuten langen EP mit drei instrumentalen Stücken beeindrucken wollen, bleibt ohnehin ein Rätsel, vielleicht ist dies aber auch nur ein Zugeständnis an den Umstand, das selbst die „normalen“ Kompositionen nicht das Gelbe vom Ei sind, was der Abschluss „Pale aura“ unter Beweis stellt.

Zu Beginn als bedrohlich-düsterer Alptraum angelegt, begleitet die Maryland-Truppe ihre Fans in weniger vertracktere Gebiete à la Coheed And Cambria, die zwischen Geschrei, Ekstase und roher Energie plötzlich ihren Ruhepol finden und von Liebesgebärden besänftigt werden. Spannend oder wegweisend geht jedenfalls anders. Unterm Strich bleiben daher nicht mehr als zwei wirklich extrem starke Songs, drei hübsche, aber sinnbefreite Instrumentalstücke und zwei Kompositionen, die mehr Baustelle, denn fertiges Produkt sind. Ob das reicht, um als Speerspitze eines Subgenres auch als solche wahrgenommen zu werden? Wir vermuten einmal ganz frech: Nein!

Anspieltipps:

  • Feed The Ground
  • The Parade Of Ashes

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