Cage The Elephant - Melophobia - Cover
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Cage The Elephant Melophobia


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Cage The Elephant versuchen vergebens, sich einiger Fesseln zu entledigen und liefern schlicht gute Programmware.

Cage The Elephant „genießen“ in Deutschland einen klaren Indie-Status. Das äußert sich auch wieder in der 7-monatigen Verspätung, mit der „Melophobia“ in Deutschland offiziell erscheint. Das zeitversetzte Release-Datum ist allerdings nicht der einzige Grund, warum der neueste Output der Band nicht allzu viel Aufsehen erregen wird. Sie hat sich ihren Platz als Alternative zu Black Rebel Motorcycle Club und den zwischenzeitlich weichgespülten Arctic Monkeys redlich verdient. Mit der neuen Scheibe wandeln die jungen Männer allerdings wie letztgenannte Mitstreiter immer wieder auf unpassenden Pfaden und verheben sich ein wenig.

Schon die Auswahl einer Single wie „Come A Little Closer“ macht diesen laschen Ersteindruck deutlich. Das Lied möchte sexy und emotional wirken, doch das Ergebnis ist letztendlich solide austauschbar. Gleiches gilt für „Take It Or Leave It“, welches hier und da eine schöne Melodie und verspielte Riffs vorzuweisen hat, letztlich jedoch irgendwie uninspiriert vor sich hin plätschert. Säuselnd geben sich diese Sommermelodien, die ja niemandem wehtun wollen und durch ihre immense Zurückhaltung für nicht mehr als gemächliches Schunkeln herhalten werden.

Dass es besser geht, kann die Band allerdings glücklicherweise auch noch belegen. „Halo“ ist für Neueinsteiger vielleicht schon genug, um das komplette Album zu feiern. Hier treffen sich Massenverträglichkeit im Refrain und knackiger Indie-Rock in den Strophen. So kann und darf Evolution einer Band klingen. „Halo“ bündelt, was „Spiderhead“ und „It's Just Forever“ nur andeuten können. Letztere Titel schaffen den Spagat zum Melodischen nämlich nicht und verlieren sich in überflüssigen „Prog“-Momenten, die einfach weniger einfallsreich als vielmehr nach Krach klingen.

Dieser Hang zum progressiven Wahnsinn geht soweit, dass selbst die sicher geglaubten Hits „Black Widow“ und „Teeth“ mit klar erkennbaren Schönheitsflecken daherkommen. „Black Widow“ wird gegen Ende wahllos überfrachtet, sodass die zu Beginn wunderbar passenden Bläser schließlich in einem Kampf gegen wummernde Gitarren- und Bassspuren in einem undurchdringlichen Klangstau untergehen. „Teeth“ hingegen erinnert die Arctic Monkeys freundlich daran, dass ihre Musik mal den Puls der Hörer hochgetrieben hat, bis auch dieser Track meint, in einer Spoken-Words-Karambolage enden zu müssen. Ein Konzept ist dabei nicht ersichtlich, ein Mehr an Hörspaß nicht zu vernehmen.

Selten erlebt man, wie eine im Grunde talentierte Band so hartnäckig daran arbeitet, das eigene Potenzial zu sabotieren. Einheitsbrei („Come A Little Closer“) wird mit einem ganz schwachen Gespür für Prog-Rock gepaart, sodass starke Lieder mutmaßlich eingeschränkt werden. Hätten sich Cage The Elephant hier und da mehr zusammengerissen, dann hätte dieses Album nicht nur die Tür zum Mainstream aufgestoßen, sondern wäre weiterhin guter Alternative Rock gewesen. Mit dem jetzigen Ergebnis muss die Band keine Angst haben, dass man ihr den Ausverkauf vorwirft. Allerdings ist die stark schwankende Qualität des Albums dafür verantwortlich, dass diese Musik wohl so oder so nicht ausverkauft wird.

Anspieltipps:

  • Halo
  • Cigarette Daydreams
  • It's Just Forever

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