Planningtorock - All Love´s Legal - Cover
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Planningtorock All Love´s Legal


  • Label: Human Level/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Janine Rostron, aka Planningtorock, mit einem heterogenen Polit-Disco-Soundtrack zum Gender-Studies-Aufbauseminar.

Ihr letztes Album, „W“ aus 2011 war ein Kritikererfolg, erschienen bei dem Dance-Punk Label schlechthin, DFA-Records. Die musikalische Karriere zeigte für die britische Wahlberlinerin nur nach oben. Aber irgendwo zwischen den Erfolgen in der Electro-Szene Berlins und dem Mitwerkeln an der The Knife-Oper „Tomorrow, In A Year“ kam die große Verweigerung. Kein Teil mehr sein eines im Grunde zutiefst kapitalistischen Betriebs aus Hierarchisierung und Besser-gestellt-sein, in dem die, die es geschafft haben, von Gästeliste zu Gästeliste, von Taxi zu Taxi hüpfen. Angeblich wollte Rostron das Musizieren aufgeben.

Die geschlechtsneutrale Namensänderung zeigt es an: Auf ihrem dritten Album ist Planningtorock vollständig gewandelt zur politischen Kämpferin, mit Botschaft und Aufklärungswillen. Die androgyne Künstler-Ästhetik ihrer ersten beiden Alben erscheint nun in konsequenterem Licht. „Let's Talk About Gender Baby“, „Misogyny Drop Dead“, „Patriarchy Over & Out“: Die Message ist klar wie Kloßbrühe, die freie Geschlechterwahl, mehr noch, die Dekonstruktion der klassischen Geschlechterwerdung steht auf der Anklagebank.

„Give me a human drama, it kind of feels that gender is just a lie“, Rostron trägt eine in der Gesellschaft an Relevanz gewinnende Debatte in den Unterhaltungsbereich, in den Pop. Das war schon bei den Pionieren politischer Unterhaltungsmusik in den Sechzigern für die Masse irritierend und doch bitter notwendig und gut. So wie Homo-Ehen vor 40 Jahren undenkbar, und heute für einen bestimmten Teil der Gesellschaft das Normalste der Welt, könnte es auch mit der Ansicht zur Wahl eines Geschlechts, und damit auch eines Nicht-Geschlechts kommen. Für derartiges Engagement gibt es von mir nur Applaus. Die Zeiten in denen Jungs nur blau und Mädchen rosa repräsentiert sind, müssen überwunden werden.

Doch leider ist vor lauter Diskurs die Musik ein wenig zu kurz gekommen. Es steckte ein wenig mehr Drive, durchdachtes Arrangement und vielleicht auch Seele auf „W“. Zwar sind mit „Human Drama“, dem verwandelten The Knife-Remix „Let's Talk About Gender Baby“ und „Public Love“ starke Electro-Pop-Tracks auf „All Love's Legal“ vorhanden, doch mehrfach bricht das Album konzeptuell völlig ab und steuert in neue unausgegorene Richtungen. Auch ist die klangliche Nähe zu The Knife oftmals zu stark.

Auch wenn es kein schwaches Werk ist, Planningtorocks drittes Album erinnert an den alten Umstand, dass etwas Wichtiges zu sagen zu haben, nicht alles ist in der Kunst, dafür ist die Politik da. Das Wie-man-etwas-sagt ist mindestens genauso wichtig.

Anspieltipps:

  • Human Drama
  • Let's Talk About Gender Baby
  • Public Love
  • Patriarchy Over & Out

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