Morbus Chron - Sweven - Cover
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Morbus Chron Sweven


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Pink Floyd des Death Metal legen ihr Zweitwerk vor.

Abgesehen von ihrer (gewollten?) Namensähnlichkeit zu einer ziemlich schmerzhaften Darmerkrankung hat das Schwedengespann Morbus Chron ansonsten zum Glück keinerlei Parallelen, die flache Witze über kreativen Durchfall oder zahflüssigen Einheitsbrei rechtfertigen würden. Ganz im Gegenteil! Robert Andersson (Gesang, Gitarre), Edvin Aftonfalk (Gitarre), Dag Landin (Bass) und Adam Lindmark (Schlagzeug) kreieren eine ganz spezielle Mischung im Retro-Segment, auf die trotz der ursprünglichen Verortung des Vierers im Oldschool-Death Metal keine gängige Klassifizierung zutrifft. Hier wird nicht ein kleiner Blick über den Tellerrand getätigt, Morbus Chron springen mit einem gewaltigen Satz von eben jenem in die Tiefen des Metal.

Schon der zurückhaltende Opener „Berceuse“ zimmert durch Shoegaze- und Post Metal-Elemente eine vergängliche Stimmung, die bereits in „Chains“ mit dem ersten Todesblei-Einbruch à la Death oder Autopsy zertrümmert wird und vor allem durch die stark mit Hall versetzten Schreie von Andersson ihren ganz eigenen 80er-Jahre-Vibe bekommt. Mit dieser Gangart geben sich die Schweden aber nicht zufrieden und so gibt es in „Towards a dark sky“ erst einmal schwarzmetallisch einen auf die Mütze, bevor im weiteren Verlauf des Songs Voivod zum Fenster hereinblicken dürfen. Anschließend geben sich kurze Ausflüge in Post Metal der Marke Pelican oder Isis („It stretches in the hollow“), Doom und Punk („Aurora in the offing“), sowie ein wahres Sludge/Hardrock-Manifest („Beyond life´s sealed abode“) die Klinke in die Hand, jedoch ohne zusammenhanglos zu wirken oder einer unsichtbaren Checkliste zu folgen.

Zwischen diesen todesmutigen Genre-Fusionen brechen immer wieder kleinere Ideen wie die Flamenco-Gitarre in „The perennial link“, das düster-melancholische Zwischenspiel „Solace“ oder die aberwitzig-ausufernde Heavy Metal-Einleitung in „Ripening life“ den zackigen Oldschool-Death-Metal-Rhythmus auf und sorgen für Momente voll von sensiblem Fingerspitzengefühl. Besonders herausragend gestaltet sich das im Hardrock-Segment beheimatete „Terminus“, welches wesentlich rhythmusorientierter seine Aufwartung macht und für „Sweven“ einen grandios-stimmungsvollen Abschluss bildet. Einen ähnlichen Legendenstatus wie seinerzeit Pink Floyd werden sich Morbus Chron mit ihren weitläufigen Klanglandschaften für den um die Ecke denkenden Post Death Metal-Stoner zwar nicht erspielen, einen aufgeschlossenen Blick auf das Oeuvre der vier Schweden sollte man aber definitiv riskieren.

Anspieltipps:

  • Terminus
  • Towards A Dark Sky
  • Aurora In The Offing

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