Fanfarlo - Let´s Go Extinct - Cover
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Fanfarlo Let´s Go Extinct


  • Label: New World/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der finale Beweis: Popmusik muss kein Schimpfwort sein!

Gute sechs Minuten ist das neue Album von Fanfarlo alt, als die Erwartungen an die restlichen 40 in grenzenlose Höhen schießen. „Life in the Sky“ steht wie ein Fels in der oft so niveauarmen Brandung moderner Popsongs. Episch in Länge und Instrumentalisierung, vollendet mit der markanten Stimme Simon Balthazars, ein Monolith der Popmusik und der perfekte Opener für ein Album, das sich die Abhandlung durchaus komplexer Inhalte auf die Fahne geschrieben hat. Über nicht weniger als die Evolutionstheorie und deren zentrale Rätsel wollen sich die vier Londoner musikalisch auslassen. „The weirdness of being this thing we call a person and the double weirdness of other people.“ (Balthazar). Wenn´s weiter nichts ist.

Die undankbare Aufgabe des Folgetracks von „Life in the sky“ meistert der „Cell Song“ hervorragend. Ein geradezu beschwingter Balthazar, der perfekt zu diesem gut verdaulichen und eingängigen Popsong passt. Das bereits zuvor als Single veröffentlichte „Landlocked“ beginnt unspektakulär, packt am Ende jedoch die Bläser aus und wird auf diese Weise doch noch etwas Besonderes. Die Evolution eines Songs, passend zur Albumthematik.

Eben diese Bläser sind es auch, die „Painting With Life“ etwas Zauberhaftes verleihen. Balthazar träumt vor sich hin, „I’ve tried to wake you up but there’s nobody home.“ In der Schlussminute des Tracks geht es mit den Londonern dann komplett durch, Schlagzeug, Klavier, Ekstase. Der Titeltrack tut abschließend sein Übriges, um dem Album einen runden und melancholischen Abschluss zu bescheren.

Fanfarlo glückt mit „Let’s Go Extinct“ so manches Kunststück. Einerseits beweist der Vierer, dass es durchaus möglich ist, eingängige und größtenteils sogar radiotaugliche Songs abzuliefern, ohne in die musikalische Irrelevanz des gängigen Mainstream-Pop abzurutschen. Andererseits werden durchaus schwermütige und melancholische Fragestellungen wie die nach der Zukunft, dem Vergangenen und dem eigenen Sein seriös und hier und da auch mit einem willkommenen Augenzwinkern behandelt, so dass „Let’s Go Extinct“ letztlich nichts anderes ist, als ein gelungenes Konzeptalbum.

Warum trotz des scheinbar grenzenlosen Lobes nicht 10/10 über der Review steht? Weil Fanfarlo das Niveau der Höhepunkte ihres Drittlings leider nicht über die kompletten zehn Songs hinwegretten können. So bietet beispielsweise „Myth Of Myself (A Ruse To Exploit Our Weaknesses)“ ein interessantes Schlagzeug, viel mehr aber auch nicht. Den insgesamt mehr als ordentlichen Gesamteindruck kann aber auch das nicht zerstören.

Anspieltipps:

  • Life In The Sky
  • Cell Song
  • Painting With Life
  • Let’s Go Extinct

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