Sam Roberts Band - Lo-Fantasy - Cover
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Sam Roberts Band Lo-Fantasy


  • Label: Paper Bag/Rough Trade
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wehmütig träumt die versammelte Hörerschaft.

„’Lo-Fantasy’ infuses Sam Roberts Band’s rousing brand of rock n’roll with elements of funk, house, electronic, and African music, resulting in their most dynamic and inventive album to date.“ Puh, das saß. Ein Promotext aus dem Lehrbuch, die Blaupause des Eigenlobes. Spannung kommt auf, was die Band um den gleichnamigen Frontmann auf ihrem sechsten Werk tatsächlich zustande bringt.

Nun bedeutet übertreiben nicht zwingend lügen, eine gewisse musikalische Vielseitigkeit ist auf „Lo-Fantasy“ durchaus zu beobachten. Auch wenn sich die afrikanischen Einflüsse weitestgehend auf den Titel von „Angola“ beschränken und auch die geneigten House-Hörer fragend und ratlos zurückbleiben werden, so traute sich Roberts in „Chasing the Light“ immerhin tatsächlich an den Computer. Resultat: Ein etwas aufgesetzt wirkender Elektrotrack, der weder so recht ins Gesamtkonzept des Albums passen will, noch sonderlich interessant klingt. Und wohl scheint sich die Band auf diesem ungewohnten Terrain auch nicht zu fühlen.

Da gefällt es doch deutlich besser, wenn Sam Roberts Band bei ihrem Fach bleiben und eingängige (Pop-) Rocker erster Güte abliefern. So frisst sich der fröhlich und angenehm unaufdringlich rockende Opener „Shapeshifters“ sofort ins Hirn und bleibt da auch erstmal hängen. Ähnlich verhält es sich mit der ersten Single „We’re All In This Together“, die sich inhaltlich zwar vergleichsweise schwer verdaulich gibt, als Single aber dennoch hervorragend funktioniert und als lässiger Gitarrenrocksong gefällt.

Seine Stärken spielt „Lo-Fantasy“ vor allem dann aus, wenn es mit banduntypischen Low-Tempo-Nummern überrascht. „Too Far“ ließe sich ohne weiteres zum Feierabendbier im Spätsommer genießen. „Never Enough“ schlägt in dieselbe Kerbe, kommt aber etwas schüchterner und noch zurückhaltender daher und driftet hier und da gefährlich weit in die Gefilde langweiliger Popmusik ab. Schade. Das abschließende „Golden Hour“ treibt die lässige Feierabendstimmung dann auf die Spitze und rundet die Platte als leicht entrückter Chillsong mehr als gelungen ab. Dass der Song so auch ohne weiteres seinen Platz neben „Echo“ auf Incubus‘ „Morning View“ gefunden hätte, ist dabei durchaus als Lob zu verstehen.

Ein wirkliches Rockalbum ist „Lo-Fantasy“ nicht, dafür verlassen Sam Roberts und Kollegen die dafür typischen Pfade, die sie ohnehin schon breitgetrampelt haben, zu oft. Das macht aber nichts, denn auch wenn nicht alle Ideen zünden, bietet die LP ausgereifte Poprocker, die hängen bleiben und sicher auch in einigen Monaten noch gefallen werden.

Anspieltipps:

  • Shapeshifters
  • We’re All In This Together
  • Golden Hour

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