Slough Feg - Digital Resistance - Cover
Große Ansicht

Slough Feg Digital Resistance


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die amerikanischen Folk-Rock-Heavy-Metal-Weirdos haben wieder einmal zugeschlagen.

Wer die erste Nummer seines Albums mit dem Namen des Philosophen und Mathematikers Bertrand Russell ziert, der hat entweder gehörig einen an der Waffel oder von der Denkweise des genialen Briten eine Ahnung und schert sich einen Dreck darum, was andere bei der Erwähnung seiner Persönlichkeit empfinden. Bei Mike Scalzi (Gesang, Gitarre), Angelo Tringali (Gitarre), Adrian Maestas (Bass) und Harry Cantwell (Schlagzeug) ist die Sachlage jedoch etwas anders, schließlich könnten beide Varianten auf die durchgeknallten 70/80er-Jahre-Rocker zutreffen, die sich auf ihrem neunten Werk „Digital Resistance“ bewusst gegen die Modernisierung von Musik und Kultur stellen und einfach dort weitermachen, wo sie vor vier Jahren mit „The Animal Spirits“ (10/2010) aufgehört haben.

Nicht verwunderlich sind daher Zitate von anderen Bands wie z. B. Genesis (das bereits erwähnte, verschroben-charmante „Analogue avengers - Bertrand Russell´s sex den“ könnte auch von einem Werk aus Peter Gabriel-Zeiten stammen), Iron Maiden (der Titeltrack würde selbst in den Händen der Eisernen Jungfrauen nicht besser und mitreißender klingen) oder Cirith Ungol („Magic hooligan“ hätte sich auf „Frost and fire“ (04/1980) pudelwohl gefühlt), die stets schlüssig und mit eigener Note versehen in den Gesamtkontext eingewoben werden. Stellenweise verlieren sich Slough Feg zwar in ausufernde Fahrten durch Dublins Straßen, bei denen die Spannungskurve lediglich einer Geraden gleicht („Habeas corpus“, „The luddite“), spielen wie betäubt altbekannte Standardfloskeln herunter („The price is nice“) oder verlieren sich nach einem fulminantem Instrumentalauftakt in einer Endlosschleife („Curriculum vitae“), die Klasse der übrigen Kompositionen kann diese wankelmütigen Ausrutscher aber zum Glück großteils übertönen.

Allein das mystische und abenteuerlustige „Ghastly appendage“ mit seiner einzigartigen Gitarrenarbeit, die jedem Retro-Fan ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, ist bereits die Hälfte der Eintrittskarte wert und wenn einen der anfänglich bockige Beginn von „Laser enforcer“ nicht stört, dann bekommt man hiermit ein wahres Biest von einem Track, der mit seinen ausgedehnten Instrumentalpassagen und dem einzig- wie eigenartigen Aufbau keine Gelegenheit auslässt, nach allen Seiten auszubrechen. Zum Abschluss servieren Slough Feg mit „Warrior´s dusk“ ein weiteres Gustostückerl, bei dem man sich durch die flotte märchenhafte Gangart angespornt fühlt, als ob man gerade als „Ritter der Kokosnuss“ unterwegs durch die Lande stapft. Was bleibt also noch zu sagen übrig als: Jeder, der seine Platten aus den 70er- und 80er-Jahren regelmäßig entstaubt und auf den Plattenteller legt, sollte den Nostalgietrip „Digital Resistance“ auf keinen Fall verpassen!

Anspieltipps:

  • Warrior´s Dusk
  • Magic Hooligan
  • Ghastly Appendage
  • Analogue Avengers - Bertrand Russell´s Sex Den

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
Diskutiere über „Slough Feg“
comments powered by Disqus