Butcher Babies - Goliath - Cover
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Butcher Babies Goliath


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Quote durch Titten“ als Konzept? Zugegeben, es gab schon bessere Ideen, um Frauen im Metal zu emanzipieren.

Vor ein paar Monaten veröffentlichte Century Media mit „Masks“ (09/2013) den fünften Longplayer der Rodriguez-Schwesternband Eyes Set To Kill. Darauf kam neben einem launischen Heavy Metal-Orkan auch die Frage auf, wieso es eigentlich nicht mehr weibliche Unterstützung an der Gesangsfront im Metal gibt, beweisen Gruppierungen wie die eben genannte doch immerhin, dass auch mit einer Frau am Steuer der Wagen nicht sofort ins Schleudern geraten muss. Ein Grund dafür könnte womöglich die Einstellung von Carla Harvey (Gesang) und Heidi Shepherd (Gesang) sein, die anno 2014 noch immer der Meinung sind, dass sie mit ihren beiden (der plastischen Chirurgie sei Dank) wohlgeformten Hupen mehr Aufsehen erregen, als mit eindringlichen Songs. Und nein, den Hintergrund für ihre freizügigen Auftritte, die eine Hommage an Wendy „The Queen of Shock Rock“ Orlean Williams sein sollen, kaufen wir den beiden aus dem Stall von Playboy-Gründer Hugh Hefner kommenden Häschen einfach nicht zur Gänze ab.

Trotzdem, und das ist der springende Punkt, haben Carla und Heidi bei ihren Bühnenauftritten einen Heidenspaß und wenn man sich ihr Debüt „Goliath“ zu Gemüte führt, möchte man meinen, hinter der Fassade aus Titten steckt mehr als nur ein nicht sonderlich subtil in Szene gesetzter Schrei nach Aufmerksamkeit und Beachtung. Allein der Opener „I smell a massacre“ besitzt mehr präzise auf einen Punkt zulaufende Wut und Aggression, als das Abschiedsalbum von Arthouse Metal-Künstlerin Otep Shamaya. Freilich ist dieser sonische Angriff auf das Trommelfell durch Produzent Josh Wilbur (Gojira, Lamb Of God, Hatebreed) vorzüglich in Szene gesetzt und hübsch glattgebügelt auf Massengeschmack getrimmt, aber wenn einem im Anschluss „Magnolia Blvd.“ als tonnenschweres Trümmerinferno die Schädeldecke wegfräst, sind sämtliche Vorurteile schneller weggeblasen, als man „Nippel“ sagen kann.

Das größte Problem für einen klaren Sieg der Weiblichkeit stellt jedoch die Weiblichkeit an sich dar, denn wenn die beiden Damen mit ihren Stimmen in tiefe Regionen vorstoßen wollen und es aufgrund physiologischer Voraussetzungen nicht ganz schaffen, geht das ja noch in Ordnung, allerdings muss man dann nicht unbedingt neben einer klaren Singstimme als dritte Alternative ohrenbetäubendes Gekreische anbieten, das auf Dauer der einen oder anderen schwächeren Komposition endgültig den Gnadenschuss versetzt („The mirror never lies“, „C8H18 (Gasoline)“, „Axe wound“). Als Entschädigung bieten die Butcher Babies zwar auch stampfende Groove-Bretter („The deathsurround“), tiefer gestimmte Riffanschläge mit eindringlichem Ruhepol („Grim sleeper“) und zwischen kokett und aggressiv changierendes Material („In denial“) an, in denen mehr passiert als nur der Ausbruchsversuch zweier Playboy-Häschen aus dem Stall von Hugh Hefner, für das Gesamtkonzept von „Goliath“ und insbesondere die Attitüde von Carla und Heidi gibt es aber eindeutig noch einiges an Luft nach oben.

Anspieltipps:

  • Grim Sleeper
  • Magnolia Blvd.
  • The Deathsurround

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