Beck - Morning Phase - Cover
Große Ansicht

Beck Morning Phase


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Früher der große Rezitator der postmodernen Klangvielfalt, mutiert Beck zusehends zum leisetretenden Melancholiker, der nicht taugen will zur Pop-Ikone.

„Morning Phase“, Beck Hansens erstes reguläres Studioalbum seit sechs Jahren, macht schwermütig, und ist damit Fortsetzung und Bruder oder Schwester im Geiste des melancholischen Trennungsalbums „Sea Change“ vor mittlerweile einem Dutzend Jahren. Das häuft sich jetzt aber bei ihm. „Mutations“, „Sea Change“, „Modern Guilt“ und nun „Morning Phase“: Die Trübsal, der Seelenschmerz nehmen überhand beim einst so unberechenbaren Vielseitigkeitskünstler.

Wenn er nicht verlautbart hätte, altes, vorhandenes, ruhiges, allein mit akustischer Gitarre geborenes Rohmaterial wieder aufgreifen und weiterentwickeln zu wollen, man könnte sich fast Sorgen machen, aber selbst das Wiederbeleben alter Traurigkeitskamellen spricht schon für sich. Vor „Sea Change“ stand eines der besten Verliebtheitsalben der Neunziger, das kaleidoskopische „Midnight Vultures“, ein Trip der guten Laune und des Hochgefühls; das letzte reguläre Album vor „Morning Phase“ hingegen ist das sechs Jahre zurückliegende „Modern Guilt“, das zwar in digitalerem Soundgewand erklingt, aber der selben Melancholie anheim gefallen ist.

Niedrigpulsige Tempi dominieren auf folkstrukturierten, aber sachte und sparsam orchestral aufgeblähten Elegien. Die unaufdringlich einfallenden Banjo-Melodien in „Say Goodbye“, eine zart dazwischenfunkende E-Gitarre in „Waking Light“, hier ein Klavier, dort ein alleingelassener E-Bass, schüchterne Streicher: es gibt wohltemperierte Ausnahmen auf „Morning Phase“, aber es herrscht die Akustikgitarre vor. „Say Goodbye“ und „Blackbird Chain“ stechen als typische Beck-Songs heraus, schneller gespielt und digitaler arrangiert, könnten sie auch auf „Modern Guilt“ zu Hause sein.

Vielleicht muss man sich tatsächlich Sorgen machen um einen großen Musiker unserer popkulturellen Gegenwart, vielleicht schließt sich hier aber auch nur ein Kreis und Beck schließt mit „Morning Phase“ ein Kapitel seines künstlerischen Schaffens. Wir werden sehen.

Anspieltipps:

  • Say Goodbye
  • Blackbird Chain
  • Heart Is A Drum
  • Turn Around

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Beck“
comments powered by Disqus