Florian Hofer - Reaching - Cover
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Florian Hofer Reaching


  • Label: Graviton/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Deutschland hat wieder einen Jungen mit einer Gitarre.

Es ist immer gut zu wissen, woher ein Musiker kommt. Was ist seine Inspiration und was bewegt ihn? Florian Hofer lässt bei solchen Fragen musikalisch keine großen Fragen aufkommen. Wenn er Jimi Hendrix und Lenny Kravitz zu seinen liebsten Interpreten zählt, dann offenbart er dies oft und deutlich auf seinem Album „Reaching“. Ob Vorbilder allein allerdings reichen, um selbst gute Musik zu machen, muss Hofer mit genau dieser Scheibe erst einmal beweisen.

Dass der gebürtige Frankfurter dabei auf inzwischen nicht mehr im Fokus stehenden Blues-Rock der alten Schule setzt, ist keine Schwäche. Vielmehr zeigt sich, dass der Musiker tatsächlich etwas von seinem Genre versteht. Das hat er den vielen gesichtslosen Popsternchen auf jeden Fall voraus. Doch so authentisch und stilsicher die Musik auch ist, so fällt schnell auf, dass die Lieder selbst merkwürdig zurückhaltend sind. Auch wenn in „Illusions“ ein Solo vom nächsten Riff gejagt wird, scheint die Musik auf „Reaching“ fortwährend zurückgenommen.

Das liegt einerseits am stets etwas gebremst wirkenden Gesang Hofers, der selten die nötige Kraft inmitten der Sounds ausstrahlen kann, aber auch an einer fehlenden Schiene der Lieder. Sicherlich passt Hofers Gesang zu den Liedern und wie bereits erwähnt klingt alles nach echtem Blues. Das Problem ist, dass keines der Elemente herausragt und das Ergebnis einen Schaukasten für Blues-Musik darstellt. Eine vorsichtige Einsteiger-Führung durch die Facetten eines Genres, ohne eben auf Klassiker oder Höhen und Tiefen zu verweisen. Die Ballade „Carrying“ verdient wie der Funk-Rocker „Let It Out“ letztlich stets die Bewertung „nett“, doch keiner der Tracks packt den Hörer wirklich.

Florian Hofer scheint seine Stimme noch nicht gefunden zu haben. Er weiß genau um die Art von Musik, die er liebt, doch wie er selbst einen Teil zu dieser Musik beitragen kann, anstatt sie zunächst nur zu zitieren, wird bisher noch nicht offensichtlich. Wenn Hofer jetzt noch eine eigene, erkennbare Vision seiner Form von Blues findet, dann kann er die Hörer nicht bloß mit einem Stil, sondern mit seinem eigenen Stil hinreißen.

Anspieltipps:

  • Walk Into The Light
  • Let It Out
  • Carrying

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