Iskald - Nedom Og Nord - Cover
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Iskald Nedom Og Nord


  • Label: Indie Distribution
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

In Schneewüsten kann man auch schon mal die Orientierung verlieren.

Wer angesichts der Tatsache, dass Iskald nur noch ein Duo bestehend aus Simon Larsen (Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard) und Aage André Krekling (Schlagzeug) sind, denkt, dass es in den eisigen Gefilden ihres Black Metals langsam taut, der irrt sich. Tatsächlich funktionieren Iskald auch als Zwei-Mann-Projekt - im Genre ist das eh nichts Ungewöhnliches. Und wie war das noch schnell mit den vielen Köchen? Man darf zumindest erahnen, dass die zwei Iskalden fokussierter an die Sache gehen, denn tatsächlich hört sich „Nedom Og Nord“ sehr viel mehr wie aus einem Guss als seine Vorgänger an, ist eigenständiger, komplexer, aber immer noch opulent. Dennoch kommen auch neue Herausforderungen und Probleme zu Tage, welchen sich die Norweger stellen müssen. Und so gut sie es manchmal auch meinen: Manchmal meinen sie es einfach zu gut.

Die sechs Kompositionen, von denen keine kürzer als sieben Minuten ist, verlangen einem da viel ab. Dabei scheint aber gerade die Komplexität ein unbewusster Stolperstein für Larsen und Krekling gewesen zu sein. Wenn sie ihrem erstmals komplett auf Norwegisch eingesungenen Black Metal mit atmosphärischen Parts einen Kontrast geben, wirkt das spannend und stimmig. Die Kompositionen „A Fading Horizon“, „Underworldly“ und „Nidingsdåd“ stehen stellvertretend dafür. Die Black-Rumpelei ist alleine aufgrund der sehr guten Produktion schon höchst vergnüglich; zwischendurch gibt es immer wieder Tempowechsel, Doublebass-Ausbrüche und lediglich angedeuteten symphonischen Bombast, der nie die Oberhand gewinnt. Die unterkühlte Stimmung sowie das über Albumlänge eher gemächliche Tempo, lassen mehr als nur eine Nummer auf „Nedom Og Nord“ wie Black-Metal-Rohdiamanten wirken, die von den Musikern als Basis genommen wurden, um sie nach Belieben mit eigenen Einfällen zu schmücken. In vielen Momenten sind Iskald näher an Vintersorg als an Barthory. Die erwähnte Komplexität ist dennoch sowohl Segen als auch Fluch. Manchmal schießt das Duo einfach über das Ziel hinaus und überfrachtet seine Songs so, dass man ihnen nur noch schwer folgen kann oder will. Regelrecht vollgestopfte Nummern wie „The Silence“ oder der abschließende Titeltrack erwecken den Anschein, als seien sie nur aus purem Selbstzweck heraus derartig verschachtelt. Das klingt im schlimmsten Falle sogar regelrecht unglaubwürdig.

Progressivität ist eine Kunst, die eben nur die Allerwenigsten verstehen. Man muss nicht immer direkt gewollt experimentell sein, um anspruchsvoll zu erscheinen. Weniger wäre hier mehr gewesen - ihre Wirkung hätten Iskald dennoch erzielen können. Es ist natürlich müßig, danach zu fragen, was hätte sein können. „Nedom Og Nord“ macht einiges richtig, während andere Einfälle nach hinten losgehen und in einer anderen, komprimierten und zugänglichen Form weitaus wirkungsvoller gewesen wären. Iskald verpassen trotz einer attraktiven Grundlage allerlei Chancen und werden von ihren Ambitionen regelrecht erdrückt. Dass sie nur noch zu zweit sind, ist da keine Ausrede. Sie schaffen es nämlich ohne Frage, die Geschichte ihrer Band weiter zu spinnen und klingen eigenständig. Das allein reicht am Ende dann aber (noch) nicht. „Nedom Og Nord“ dient jedoch ohne Zweifel als eine neue Basis für die geschrumpfte Band, welche sie unbedingt weiter ausbauen sollte. Fazit: Viel Licht, viel Schatten.

Anspieltipps:

  • A Fading Horizon
  • Underworldly
  • Nidingsdåd

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