Motorpsycho - Behind The Sun - Cover
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Motorpsycho Behind The Sun


  • Label: Stickman/SOULFOOD
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Motorpsycho pendeln mal wieder zwischen den Extremen.

Im Hause Motorpsycho wird noch auf ordentliche Songtitel geachtet, die mit dem einhergehen, was sie benennen: „Hell, Part 4-6: Traitor / The Tapestry / Swiss Cheese Mountain“, „Kvæstor (Incl. Where Greyhounds Dare)“ oder „Hell, Part 7: Victim Of Rock“ - lange Songs brauchen lange Namen, zumindest hin und wieder. Das könnte ein Motto dieses norwegischen Quasi-Quartetts sein. „Quasi“, weil sie eigentlich zu dritt sind, ihr vierter Mann Reine Fiske aber trotzdem bei acht von neun Titeln mitmusiziert. Es sind neun Songs, die drei Seiten der neuen Motorpsycho-LP „Behind The Sun“ füllen, was vor allem an den drei Kandidaten mit den schönen Namen liegt, die zusammen knapp die Hälfte der insgesamt 60 Spielminuten auf die Stoppuhr bringen.

Es ist - wie sollte es auch anders sein - wieder ein gewaltiger Klotz, der hier auf den Psychedelic- und Prog-Rock interessierten Teil der Menschheit losgelassen wird. Zwei Extreme werden dabei fast abwechselnd anvisiert: Zunächst Musik, die glasklar ist, beinahe zärtlich. Da hätten wir zum einen „Ghost“, das zögerlicher kaum sein könnte. Oder eben das ausladende „Hell, Part 4-6: Traitor / The Tapestry / Swiss Cheese Mountain“, bei dem sich Motorpsycho die volle epische Breite gönnen und erst nach ganzen acht Minuten die Lautstärke anheben. Das weiche, ähnlich entrückte „Entropy“ gehört auch in diese Reihe, eindeutig.

Und dann gibt es da dieses andere Extrem: Mächtig wuchtiger Psychedelic-Rock at its finest. Es spricht für die Vielseitigkeit von Motorpsycho, wie weit sie sich in diesen Momenten von den ruhigen Stücken entfernen. Andererseits fühlt sich diese Gegensätzlichkeit auch etwas merkwürdig an - kaum zu glauben, dass das die gleichen Leute aufgenommen haben, wahrscheinlich innerhalb weniger Tage. „On A Plate“, „The Promise“, „Hell, Part 7: Victim Of Rock“: Hier herrscht das kontrollierte Chaos! Das ebenso kraftvolle, mit einem Schlagzeug-Solo beglückte Instrumental „Kvæstor (Incl. Where Greyhounds Dare)“ klingt gelegentlich sogar in etwa so, wie Frank Zappa vielleicht heute klingen würde. Ob das alles deswegen gleich besser ist als Motorpsycho in ihren ruhigen Momenten, kann pauschal nicht gesagt werden, das bleibt Ansichtssache. Man muss auch diese Ambivalenz im Sound von Motorpsycho nicht bedingungslos abfeiern. Gut ist „Behind The Sun“ aber trotzdem geworden.

Anspieltipps:

  • On A Plate
  • Hell, Part 4-6: Traitor / The Tapestry / Swiss Cheese Mountain
  • The Promise

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