Elbow - The Take Off And Landing Of Everything - Cover
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Elbow The Take Off And Landing Of Everything


  • Label: Fiction/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch das sechste Elbow-Album funktioniert auf gar wundersame Weise.

Aus der kleinen Indie-Pop-Band Elbow aus Ramsbottom im Nordwesten Englands, ist im Laufe ihrer 17-jährigen Karriere ein echter Millionenseller geworden, der vor allem im heimischen Großbritannien regelmäßig mit Gold- und Platin-Auszeichnungen geehrt wird. Und das, obwohl die Alben von Guy Garvey (Gesang), Mark Potter (Gitarre), Pete Turner (Bass), Craig Potter (Keyboards) und Richard Jupp (Drums) nicht unbedingt zu den eingängigsten Machwerken der modernen Popmusik zählen. So platzieren sich Elbows Singleauskopplungen in aller Regel nur irgendwo im Mittelfeld der Charts, während die Alben inzwischen ganz sichere Kandidaten für die Top 5 sind.

Das alles gilt freilich nur für das Vereinte Königreich. Denn in Deutschland sind Elbow bis heute nicht über den Status eines Indie-Acts hinausgekommen, obwohl die Briten mit einem Vertrag bei Universal Music einen durchaus starken Partner an ihrer Seite haben und beileibe nicht die progressive Sperrigkeit an den Tag legen, wie die Kollegen von Radiohead, mit denen Elbow früher gerne verglichen wurden. Trotzdem sind Elbow immer bodenständig geblieben und lassen sich auch nicht von Auftritten vor hunderten Millionen bei den Feierlichkeiten zu den Olympischen Spielen 2012 in London blenden. Sie sind nicht Coldplay und auch nicht die Pet Shop Boys. Und dennoch mehr Pop, als es so viele Möchtegerns da draußen sein wollen.

Auf dem inzwischen sechsten Studioalbum „The Take Off And Landing Of Everything“ verarbeitet Frontmann Guy Garvey die Trennung von seiner langjährigen Partnerin. Entsprechend sind die Songs und Texte noch eine Spur melancholischer, düsterer und persönlicher, als es der Hörer von den vorangegangenen Werken kennt. Elbow begehen allerdings nicht den Fehler und legen eine Platte vor, die sich vor Selbstmitleid und Trauer selbst zerfrisst. So hat es immer noch einen letzten Rest Milde und Verspieltheit, wenn in „Charge“ Streicher aufspielen, in „Fly boy blue / Lunette“ quengelnde Bläser und E-Gitarren den Feinklang von akustischen Gitarre zersieben oder die Spannung im Opener „This blue world“ in mehr als sieben Minuten auf die Spitze getrieben wird.

So ist „The Take Off And Landing Of Everything“ wie erwartet wiederum alles andere als gewöhnlicher BritPop, mit dem Elbow heuer auf Hörerfang gehen. Und trotzdem funktioniert auch dieses Album auf gar wundersame Weise, wenn in „Honey sun“ dezent pluckernde Elektronik auf eine dissonante Hookline trifft, wenn in „My sad captains“ majestätisch getragene Bläser-Parts angestimmt werden und wenn im Titeltrack zum finalen Crescendo angesetzt wird. Dann sind Elbow in ihrem Element und einer der ungewöhnlichsten Millionenseller des Pop-Biz.

Anspieltipps:

  • This blue world
  • Real life (Angel)
  • My sad captains
  • New York morning
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