Damon Albarn - Everyday Robots - Cover
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Damon Albarn Everyday Robots


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das introvertierte Solodebüt des Blur-Frontmanns. Keine leichte Kost, aber bisweilen große Kunst.

Mit „Everyday Robots” liegt nun tatsächlich das erste offizielle Soloalbum von Damon Albarn (Blur, Gorillaz, The Good The Bad And The Queen) vor, das er zusammen mit Richard Russell, dem Labelboss von XL Recordings (u.a. The White Stripes, Radiohead, The XX, Adele, Vampire Weekend) produziert und eingespielt hat. Und warum musste dieser Longplayer unter seinem Namen erscheinen und nicht unter dem Deckmantel eines neuen oder bestehenden Projekts? Weil es angeblich das bisher persönlichste und direkteste Werk des 46-Jährigen ist. Oha! Fehlt nur noch der Promotion-Klassiker vom „bisher besten Album der Karriere“. Aber wir wollen nicht vorschnell urteilen.

Auffällig ist jedenfalls von Beginn an, dass die Musik auf „Everyday Robots“ sanfter und introvertierter klingt, als es der Hörer von Herrn Albarn sonst gewohnt ist. Es muss also etwas dran sein, dass die Songs und Texte in der Tat persönlicher gefärbt sind, wenn Damon Albarn nicht auf die Pauke haut. Vielmehr bewegt sich fast das komplette Werk in einem gepflegten Midtempo-Rhythmus mit besinnlichen Beats, Gospel-Chören, Reggae- und Dubstep-Anleihen sowie jeder Menge Soul.

Da Damon Albarn schon immer ein Spieler zwischen den Genres war, gelingt ihm auch diese introvertierte Ausdrucksform auf eine Art und Weise, dass der Hörer dabei nicht auf der Strecke bleibt, sondern in eine fast schon schüchtern anmutende Gedankenwelt mitgenommen wird, die sich mit der eigenen, überwundenen Drogenabhängigkeit („You and me“), Einsamkeit („Lonely press play“), dem Zusammenspiel von Technik und Natur („Everyday robots“) und Beziehungsproblemen („The selfish giant“) befasst.

Damon Albarn spielt sich und den Hörer in einen kleinen Rausch. Er benutzt dazu eine sehr sparsame Instrumentierung, gemischt mit Samples und Loops, aber auch Piano-, Bläser- und Orchesterklängen. Und doch trägt keiner der Songs zu irgendeiner Zeit dick auf. Es ist vielmehr so wie damals, als Radiohead auf „OK Computer“ (06/1997) neuartige, hypnotische Klangwelten für sich entdeckten und zu Königen des Art-Rock aufstiegen. Jetzt hat Damon Albarn eine solche Klangwelt erschaffen und sich und seine Musik tatsächlich noch einmal neu erfunden.

Anspieltipps:

  • Hostiles
  • The selfish giant
  • Lonely press play
  • The history of a cheating heart
  • Photographs (you are taking now)
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