Kuolemanlaakso - Tulijoutsen - Cover
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Kuolemanlaakso Tulijoutsen


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Damit der Schwan krepieren kann, muss er brennen. Und auch sonst geht es sehr künstlerisch zu.

Wenn es eine Musikrichtung gibt, die völlig selbstverständlich Veröffentlichungen anbietet, die komplett in Landessprachen wie Norwegisch oder Färöisch eingesungen worden sind, dann kann es nur der Metal sein. Deshalb ist niemand mehr überrascht, wenn eine Band den sperrigen Namen Kuolemanlaakso (Tal des Todes) trägt, ein Debütalbum wie „Uljas Uusi Maailma“ (2012) veröffentlicht hat und nun weiterhin auf Finnisch singt. Letztendlich ist die finnische Sprache für den Metaler schon beinahe so alltäglich wie das morgendliche Brötchen. Alle anderen zucken nur mit den Achseln und stempeln eine Band wie Kuolemanlaakso als Special Interest ab. So Unrecht sollen diese dann aber auch nicht haben: Mit „Tulijoutsen“ (der Feuerschwan) kommt die Band um die Musiker Laakso, Usva, Kouta (allesamt auch bei Chaosweaver tätig), Tiera (Cult Of Endtime) und Kotamäki (Swallow The Sun) mit einem ziemlich sperrigen und bisweilen sogar avantgardistischen Album daher.

Auf ihrem zweiten Longplayer bewegen sich die Finnen aus der Comfort Zone ihres etablierten Sounds allmählich heraus. „Tulijoutsen“ bietet abermals Death-Doom, dokumentiert aber jederzeit eine klangliche Entwicklung der Band. So klingt das Album sehr viel bedrückender, melancholischer und erhabener - die niederschmetternde Melancholie des Funeral-Dooms trifft auf Einsprengsel todesbleierner Brutalität. Dabei gestaltet sich die Spielzeit von einer knappen Stunde als ein über große Strecken zermarterndes Unterfangen, zähflüssig, langsam, teilweise reduziert und dann immer wieder beinahe unerwartet opulent, was in Tracks wie „Aarnivalkea“, „Verihaaski “ oder „Arpeni “ bisweilen sogar mantrisch anmutet. Die fünf Musiker werden dann zu Schamanen aus dem finnischen Hinterland und hypnotisieren den Hörer mit einer Melange aus beinhartem Riffing, sich in die Gehörgänge fressenden Ätzflüssigkeiten in Form von gespenstischen Psychedelika und der musikalischen Hoffnungslosigkeit der finnischen Schule des Extreme Metals.

Neben den bedrückenden Klanggebilden gehen Kuolemanlaakso auf subtile Art und Weise einen Schritt zurück, wenn sie Abwechslung bieten wollen. Andere Bands pumpen dann den einen oder anderen Track unnötig auf und verkaufen ihn als aufgeplusterte Übernummer. „Glastonburyn Lehto“ macht genau das Gegenteil: Die Nummer ist überraschend minimalistisch und klingt wie Ennio Morricone, der nach einem Pilztrip im finnischen Hochwald den Drogentod stirbt - beinahe jazzige Basslastigkeit und Hintergrundchöre inklusive! Das folgende „Tuonen Tähtvyö“ dagegen bietet den Bombast von Genrekollegen wie Hamferð, bevor das Schlusslicht „Raadot Raunioilla“ als unaufgeräumter, disharmonischer Alptraum präsentiert wird.

Somit kann „Tulijoutsen“ als ein äußerst vielschichtiges und spannendes Album punkten, das Freunden der Doom-Kunst durchaus gefallen sollte. Hier passiert viel - selbst dann, wenn gerade eher wenig passiert. So erscheint „Tulijoutsen“ als ein minutiös durchkomponiertes Kunstwerk, welches zu jeder Zeit die volle Aufmerksamkeit verlangt und keinesfalls nebenbei gehört werden sollte. Selbst Kenner des Genres werden teilweise erschlagen, wenn die Band aus Kuopio und Helsinki mit Extremen spielt und ihren Sound auf ein neues Level befördert. Das mag mitunter recht anstrengend und herausfordernd sein, entfaltet aber das fast schon für jene Vorgehensweise traditionelle Aha-Erlebnis, wenn man sich eingefuchst hat. Die Metal-Band für jedermann ist Kuolemanlaakso sicherlich auch mit ihrem zweiten Studiowerk nicht geworden. Wer aber auf atmosphärischen Doom Metal steht und bereit ist, Zeit und Konzentration zu investieren, soll belohnt werden.

Anspieltipps:

  • Verihaaski
  • Glastonburyn Lehto
  • Tuonen Tähtvyö
  • Raadot Raunioilla

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